Zeitung Heute : Die Platte wird platt gemacht

Eckart Kroneberg

Die Platte wird platt gemacht. ARD. Die Autoren K. Kähler und S. Pannen hatten es sich nicht leicht gemacht. Sie agierten auf drei Ebenen: Agitatorische Meldungen (DEFA-Wochenschau) über den Aufbau, der jetzige Abriss, die menschliche Dimension. 1963 wurde das Projekt vom ZK der SED hochgepuscht: In Schwedt an der Oder nicht nur ein Petrochemiekombinat, sondern auch neue Wohnungen für 55 000 Menschen, in Plattenbauweise. Nun wird das alles abgerissen, zuerst mit der "Birne", heute mit dem effektiveren "Greifer". Betroffen ist zuerst die Leverkusener Straße.

Auf den Plattenbau war die damalige DDR stolz gewesen, und die Bewohner, so ließ sich vernehmen, waren gar nicht so unglücklich darin gewesen. Nun aber die totale Destruktion (gelegentlich ahnte man eine gewisse Lust beim Zerstören). Da floss durchaus Ost-Nostalgisches hinein, eben die nicht mit Geld aufzuwiegende Investition von Gefühlen. Groteskerweise waren im Abrissgeschäft viele ABM-Kräfte beschäftigt; sie zerstörten, was ihnen gehört hatte, nun, ja. Lenins gesammelte Werke wegschmeißen macht Spaß, nicht wahr? Unbeantwortet von den Autoren blieb die Frage, warum das Vorhandene zerstört werden muss.

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