Zeitung Heute : Die Polizei war ein guter Kunde

Der Tagesspiegel

Im Zusammenhang mit der Drogenaffäre bei der Berliner Schutzpolizei kam es gestern zu einem zweiten Prozess vor dem Landgericht. Als Drogenlieferant wurde Andreas S. zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Der 42-jährige Elektroinstallateur hatte von 1997 bis zu seiner Verhaftung im Sommer vergangenen Jahres etwa 300 Gramm Kokain verkauft – ein Großteil davon ging an zwei Polizisten.

Zu seinen besten Kunden gehörte nach dem Geständnis des Angeklagten der 33-jährige Polizeimeister Karsten M. Etwa 100 Gramm Kokain will „Andy“ an den Mann verkauft haben, der in der Szene nur „Bullen-Kalle“ genannt wurde. Der inzwischen vom Dienst suspendierte Beamte vom Abschnitt 45 in Lichterfelde gilt als Hauptverdächtiger der „Pillen-Polizisten“, die mit Drogen gehandelt und ihre Muskeln mit illegalen Pillen aufgepäppelt haben sollen. Der Prozess gegen ihn, zwei seiner Kollegen, einen Apotheker und drei weitere Personen soll im April beginnen. Insgesamt wurde in dem Komplex um Drogen, Anabolika und Korruption gegen 27 Polizisten ermittelt.

Der Angeklagte „Andy“ erklärte, er habe Karsten M. über einen Bekannten aus einem Neuköllner Fitness-Studio kennen gelernt. Ihm sei gesagt worden, dass „Bullen-Kalle“ Polizist ist und „sehr flexibel“ sei. Der Beamte habe ihm weitere Kunden vermittelt.

Während S. seit neun Monaten in Untersuchungshaft sitzt, waren M. und ein weiterer Beamter nach Geständnissen zwei Monate nach ihrer Festnahme freigekommen. Im Februar war bereits ein anderer Dealer der „Pillen-Polizisten“ zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.

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