Zeitung Heute : „Die Rente ist nicht altmodisch“

Versicherer rät zu mehr Eigenverantwortung

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BJÖRN

SCHÜTTALPEN (42)

ist Geschäftsführer der Metallrente GbR,

die Betriebsrenten

für Metallarbeitnehmer

anbietet. Foto: R/D

Die Commerzbank stellt ihre Betriebsrente ein. Müssen sich auch Arbeitnehmer in anderen Unternehmen um ihre betrieblichen Altersbezüge sorgen?

Was die Commerzbank angekündigt hat, klingt erst mal wie ein Paukenschlag. Aber man muss wissen, dass viele andere Unternehmen schon vor Jahren ihre Betriebsrentensysteme geschlossen haben. Der Arbeitgeber stoppt die weitere Einzahlung in die Betriebsrenten und entlastet sich auf der Seite der freiwilligen Sozialleistungen. Dabei kann es nur um zukünftige Ansprüche gehen, Anrechte, die die Arbeitnehmer bereits erworben haben, werden nicht angetastet. Da ist das Arbeitsrecht eindeutig.

Wie können Arbeitnehmer den Verlust ausgleichen?

Schlimm für die Arbeitnehmer ist es, dass ein Teil ihrer Vorsorge, mit dem sie fest gerechnet haben, wegfällt. Für diesen Teil müssen sie jetzt entweder privat vorsorgen oder zu einer Betriebsrente wechseln, die auf Entgeltumwandlung beruht. Die kostet den Arbeitgeber ja nichts, im Gegenteil, er spart darauf noch bis Ende 2008 Sozialversicherungsbeiträge. Allerdings ist die arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente gerade bei besser Verdienenden zum Teil so hoch, dass sie durch andere Vorsorgemodelle kaum ausgeglichen werden können.

Sind arbeitgeberfinanzierte Betriebsrenten ein Auslaufmodell?

Zurzeit gelten sie als ein wenig altmodisch, da sie nur als Kostenfaktor gesehen werden. Eigentlich ist es ein innovativer Weg, Arbeitnehmer an sich zu binden. Denn beide Seiten haben dadurch Vorteile. Dem Arbeitnehmer kann es ja egal sein, ob er einen Gehaltsbestandteil bar ausgezahlt bekommt oder als Vorsorgeleistung. Wichtig ist, dass er sie kostengünstig erlangt. Das geht über den Arbeitgeber, der bessere Konditionen bei den Finanzdienstleistern aushandeln kann als der Einzelne. Zudem kann er seine Aufwendungen steuerfrei leisten. Und für den Arbeitgeber ist es ein hervorragender Weg, Arbeitnehmer an sich zu binden. Qualifizierte Mitarbeiter werden ja nach wie vor überall gesucht.

In Krisenzeiten spielt das wohl keine Rolle mehr?

Natürlich werden weiche Faktoren wie Mitarbeitermotivation belächelt, wenn es knallhart um Zahlen geht. In schwierigen Situationen geht es vielleicht nicht anders. Die Mitarbeiter müssen verstehen, dass es manchmal besser ist, etwas zurückzunehmen, damit man für die Zukunft eine bessere Chance hat. Das muss das Unternehmen richtig vermitteln. Und den Mitarbeitern die Chance geben, auf Betriebsrenten umzusteigen, die auf Entgeltumwandlung basieren, damit sie nicht ins Vorsorgeloch fallen.

Haben Unternehmen nicht auch eine soziale Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern?

Ich vertrete die These: Je weniger Sorgen die Mitarbeiter um ihre Zukunft haben, desto befreiter können sie auch arbeiten. Und neben Arbeitslosigkeit, Krankenkasse und vielen anderen ist die Altersvorge ein ganz wichtiges Sorgenpaket.

Das Gespräch führte Alexander Visser .

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