Zeitung Heute : Die Rückkehr zum Landesvater

Mirko Weber[München]

Heute trifft sich die CSU-Landesgruppe zu ihrer Klausurtagung in Wildbad Kreuth. Dort wird auch CSU-Chef Stoiber erwartet. Wie sehr hat er seine Position nach dem Rückzug aus Berlin wieder festigen können?


Rein äußerlich schien so weit alles beim Alten, als der Dirigent Edmund Stoiber am Neujahrstag vor seinem Wolfratshauser Heim traditionsgemäß zum Taktstock griff, um die aufspielende Stadtkapelle ein wenig zu dirigieren: Auf dem Programm standen der Bayerische Defiliermarsch und eine etwas getragene, „Edelweiß“ genannte Weise. Es gab Blumen für Karin Stoiber und ein Stamperl Williams für den Hausherrn, der ein wenig knittrig im Gesicht wirkte, aber sofort eifrig nickte, als der Leiter der Stadtkapelle lauthals riet: „Letztes Jahr vergess’ ma. Schwamm drüber, Jetzt pack ma’s wieder an!“ Das wäre nach Edmund Stoibers Geschmack: vergessen.

Ganz sicher ist es aber nicht, dass der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende sein persönliches Schreckensjahr ohne weiteres hinter sich lassen kann – schließlich gibt es in der CSU-Landtagsfraktion immer noch etliche Widerständler gegen ihn. Allerdings kommen die Landtagsabgeordneten erst vom 9. Januar an in Wildbad Kreuth zusammen, dann also, wenn jenes mediale Kreuth-Brimborium vom Jahresbeginn bereits wieder abgeklungen ist, welches von heute an verlässlich anheben wird

Dass die dort tagende CSU-Landesgruppe nicht im Sinn habe, Stoiber in Frage zu stellen, erklärte von vorneherein pikanterweise der manchmal schon als Nachfolger gehandelte Horst Seehofer: Stoiber „ist und bleibt unser Ministerpräsident und unser Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2008“, sagte er. Das wiederum geht sogar dem Ministerpräsidenten ein bisschen weit, der sich an Neujahr sibyllinischer ausdrückte: „Es wird darum gehen, eine schlagkräftige Mannschaft aufzustellen mit der richtigen Mischung aus Erfahrung und Erneuerung.“

Dabei dürfte Stoiber eine Aussage seines Innenministers Günther Beckstein gerade recht kommen, der lange Zeit ebenfalls als möglicher neuer Regierungschef gehandelt wurde. „Unter realen Umständen wird Edmund Stoiber die nächsten Jahre Ministerpräsident bleiben“, sagte Beckstein am Wochenende und begrub damit offenbar endgültig seine Hoffnungen, eines Tages doch noch Stoibers Nachfolger zu werden.

Auch Wirtschaftsminister Erwin Huber, der zweite potenzielle Aspirant auf die Stoiber-Nachfolge, gab sich vor dem Treffen in Wildbad Kreuth bescheiden. „Es gibt derzeit keine Bestrebungen – jedenfalls keine, die man ernst nehmen müsste –, personelle Entscheidungen zu treffen“, sagte er dem „Handelsblatt“. Er habe ein „außerordentlich interessantes Amt“ als Wirtschaftsminister und stehe politisch wesentlich stärker da als vor einem Jahr, erklärte Huber.

Positiv dürften sich für Stoiber auch steigende Umfragewerte der CSU in Bayern auswirken. Nach einer GMS-Umfrage im Auftrag des Fernsehsenders Sat.1 vom Montag käme die CSU bei einer Landtagswahl auf 56 Prozent – nach Stoibers Rückzug vom potenziellen Amt des Bundeswirtschaftsministers waren es teilweise 45 Prozent gewesen. Davon abgesehen steht Stoiber in diesem Jahr vor einigen repräsentativen Aufgaben, die ihn womöglich vergessen lassen, dass er auf der bundespolitischen Ebene doch an Reputation eingebüßt hat: Vor 200 Jahren ist Bayern Königreich geworden, hat heuer etliche WM-Spiele bekommen und dann kommt auch noch der Papst – als Landsmann.

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