Zeitung Heute : Die Schwierigkeiten mit dem "Y2K" sind noch lange nicht gelöst

Markus von Rimscha

Y2K ist die englische Abkürzung für das Jahr-2000-Problem. Schwierigkeiten entstehen, wenn der Computer oder die Software nicht in der Lage sind, korrekt vom Jahr 1999 auf das Jahr 2000 zu zählen. Als potentielle Fehlerquellen kommen hier verschiedene Bereiche in Frage: Die Hardware selbst kann unter Umständen falsch zählen. Hier wird in der Regel nur das Jahrzehnt geändert, das Jahrhundert bleibt bestehen. Dementsprechend erscheint plötzlich der 1.1.1900, und sämtliche Datumsberechnungen liefern unsinnige Ergebnisse. Derartige Probleme gehören jedoch weitestgehend der Vergangenheit an, lediglich alte PCs zählen hier falsch. Im Zweifelsfall kann ein einmaliger Eingriff im BIOS des Rechners helfen. Einmal von Hand umgestellt, arbeitet die Uhr dann oft korrekt weiter.

Wesentlich unangenehmer - weil schwieriger aufzuspüren und zu beheben - sind Probleme mit der Software. An erster Stelle kann das Betriebssystem Schwierigkeiten bereiten. Während sich einige Betriebssysteme durch den Jahrtausendwechsel gehörig durcheinanderbringen lassen werden, stellt die Umstellung für UNIX-Systeme wie Linux kein Problem dar. Hier wird ab dem 1.1.1970 gezählt, das neue Jahrtausend ist für UNIX nichts Besorgniserregendes. Daneben können sich Anwendungsprogramme nach der Jahrtausendwende verrechnen. Spätestens hier werden die mit der Software verbundenen Schwierigkeiten unüberschaubar. In der Regel kann zwar davon ausgegangen werden, dass Anwendungsprogramme bei Datumsberechnungen auf die Funktionen des Betriebssystems zugreifen und damit genau in dem Maße Fehler machen, in dem das Betriebssystem falsche Werte liefert. Das muss aber nicht so sein. Bei wichtigen Anwendungen sollte man sich direkt beim Hersteller erkundigen, wie sich das jeweilige Programm unter einem bestimmten Betriebssystem verhält. Seriöse Anbieter haben hier ohnehin schon längst die Initiative ergriffen.

Richtig schlimm werden die Probleme, wenn das Programm keinen Fehler im eigentlichen Sinn produziert, sondern unbeirrt weiterarbeitet. Wird beispielsweise der 1.1.2000 fälschlich als 1.1.1900 interpretiert und unkommentiert als Datum akzeptiert, so können beispielsweise Programme zur Datensicherung Fehler machen, da eine neuere Datei als ältere Variante betrachtet wird.

Im Rahmen des Jahrtausendproblems gibt es reihenweise Unternehmen, die ihre Dienste zur Schadensvermeidung bzw. -begrenzung anbieten, es ist ein eigener Markt entstanden. Hier wird allerdings nicht selten auf der Angst der Anwender Kapital geschlagen. Auf die Seriösität des Anbieters ist hier besonders zu achten. Eine besondere Rolle nehmen hier die Banken ein. Einerseits sind sie heftig bemüht, ihre Kunden davon zu überzeugen, dass die bankeigenen Systeme rechtzeitig auf den Wechsel vorbereitet sind und daher keine Unregelmäßigkeiten im Geschäftsverkehr auftreten dürften - Tests bestätigen das. Andererseits wird, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmern, von verschiedenen Kreditinstituten ein spezieller Jahr-2000-Service angeboten. Hier werden Antworten auf die wichtigsten Fragen in diesem Zusammenhang gegeben. So sind die drohenden Probleme zwar nicht unbedingt gelöst, sie können aber eher erkannt werden.

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