Zeitung Heute : Die sich die Handkante geben

RALPH GEISENHANSLÜKE

Schlagende Verbindungen: "The Heroic Trio" von Johnny To Kei Fung, eine Kampfkunst-Orgie aus Hongkong

RALPH GEISENHANSLÜKE



Der Versuch, einen Martial-Arts-Film zu erzählen, gestaltet sich in den meisten Fällen ähnlich schwierig, wie der Versuch, die künstlerisch wertvollen Ansätze eines Pornos zu loben.Für beide Genres gilt: Die Handlung dient nur als Vorwand, um baldestmöglich zur immergleichen, aber doch immer wieder anders gezeigten Sache zu kommen.Ausnahmen bestätigen die Regel."The Heroic Trio" ist keine Ausnahme.

Nicht einmal hinsichtlich seiner weiblichen Hauptrollen.Auch sie sind in Kampfkunstfilmen, wie sie in Hongkong entstehen, alltäglich - entfernte Nachfahrinnen der Schwertkämpferinnen aus der Peking-Oper, die schon den kämpfenden Sisters in amerikanischen Blaxploitation-Filmen der 70er als Vorbild dienten.Nur die Ballung von drei weiblichen Hongkong-Stars zu einer schlagenden Verbindung, macht den Film für Genre-Liebhaber zu etwas Besonderem: Michelle Yeoh Chu Kheng schlug sich neben Pierce Brosnan durch "Tommorow never dies", Maggie Cheung Man Yuk, hat in 12 Jahren 74 Filme gedreht und Anita Mui Yim Fong, ist in Hongkong auf die Rolle der femme fatale abonniert, seit sie mit 9 Jahren erstmals in einem Nachtlokal sang.

Vielleicht sind die durchsetzungsfähigen Damen auch deshalb so beliebt, weil niemand fürchten muß, daß sie ihren Männern als Super-Amazonen entgegentreten.Erstens sind Männer auch nur Menschen.Und zweitens steht auch "Wonder Woman" abends wieder züchtig in der Küche und putzt das Gemüse.Mit dem Messer und nicht mit der bloßen Handkante.

Wonder Womans Gatte arbeitet bei der Polizei und kämpft mit den Katastrophen im Endzeit-Hongkong des 21.Jahrhunderts.Aber gegen des ultimativ Böse bleibt er machtlos.Das ultimativ Böse muß in jedem Action-Film vorkommen, damit es einen hinreichenden Grund gibt, moralisch sauber draufzuhauen.Hier heißt das Böse Chan.

Chan, ein 100 Jahre altes Zwitterwesen, lebt in der Kanalisation und läßt ständig Säuglinge entführen.Interessanterweise unter dem Vorwand, China brauche wieder einen Kaiser.Chans Motive sind aber nur bedingt royalistisch.Er will einen potentiellen neuen Kaiser töten, der zu dieser Zeit geboren werden soll - um die Weltherrschaft anzutreten, logo.

Frauen sind die besseren Männer.Deshalb müssen die drei Heldinnen sich auch erst einmal die Handkante geben, bevor sie sich zusammenraufen.Eine von den ihnen wurde nämlich von Chan verhext (auch in High-Tech-Hongkong haben die alten Mythen noch ihre Gültigkeit).Danach können Regisseur Johnny To Kei Fung und sein Kampfchoreograph endlich zu den extravaganten Tötungsstilen kommen, also wie die Leute sich den Schädel einschlagen und dann doch wieder aufstehen, bis es irgendwann so ernst wird, daß selbiger vom Rumpf getrennt werden muß.

In "Heroic Trio" gibt es Figuren, die fangen Gewehrkugeln mit dem Mund und spucken sie zurück, andere fliegen mit ihrem Motorrad wie eine Kreissäge.Aber auch gute alte Hooligan-Techniken - Kopf gegen Nasenbein - werden noch praktiziert.Regisseur Johnny To Kei Fung ist, wie der Verleih unverblümt mitteilt, eben kein Fall für Theoretiker, sondern "eher ein Pragmatiker, der sieht, wo man im Augenblick am besten Geld machen kann." Alles Weitere fragen Sie Ihren Kontaktbereichs-Samurai oder den zuständigen Sack Reis.

Eiszeit (O.m.engl.Ut). 





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