Zeitung Heute : Die Stimmung in der Branche stimmt

Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer, vertraut auf Konjunkturpakete und Durchhaltevermögen

Cay Dobberke

Die Negativszenarien der Wirtschaftsforscher ist Stephan Schwarz leid: „Viele haben übertrieben, jeder wollte sich profilieren“, sagt der Präsident der Handwerkskammer Berlin. Ähnliches gelte für mögliche Nutznießer der Konjunkturpakete in der Wirtschaft: „Jeder beklagt sich, um die Förderung zu bekommen.“ Es bestehe die Gefahr, dass düstere Vorhersagen zur „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“ werden.

In den Handwerksbetrieben jedoch sei die Stimmung „eher positiv“, der Baubranche gehe es sogar relativ gut. Eine Umfrage der Kammer hat laut Schwarz vor kurzem gezeigt, dass sich Handwerker vor allem Sorgen um die Finanzierung durch die Banken machen. Tatsächlich, erklärt der Kammerpräsident, drohe in Berlin aber keine Kreditklemme. Wichtige Geldinstitute wie die Landesbank Berlin und die Berliner Volksbank hätten einen „Einlagenüberschuss“ und seien bei der Krediten nicht zurückhaltender als früher. Die Handwerksbranche gelte als solide und vertrauenswürdig. Allerdings hätten sich die Zinskonditionen mitunter verschlechtert.

Zu den Verlierern in der Krise zählt Schwarz die Kfz-Werkstätten, weil viele Autobesitzer nur noch die nötigsten Reparaturen machen ließen. Und durch die Abwrackprämie sinkt außerdem der Anteil alter Wagen, die relativ oft in die Werkstatt müssen.

Das Handwerk, sagt der 43-Jährige, der seit 2003 Kammerpräsident ist, habe Erfahrung mit schwierigen Zeiten. „Wir haben schwere Krisen hinter uns.“ Mitte der neunziger Jahre habe Berlin eine „De-Industrialisierung“ und einen Strukturwandel erlebt. Die Nachwirkungen im Handwerk sind jetzt noch zu spüren: Die Beschäftigtenzahl sank seitdem von 250 000 auf 190 000. Immerhin, sagt Schwarz, bleibe diese Zahl nun schon seit längerem weitgehend konstant. Eine Männerdomäne ist die Branche auch nicht mehr: Von den rund 15 000 Azubis sind 30,5 Prozent weiblich.

Es gibt jedoch auch Betriebe, die stark gewachsen sind – darunter die von Stephan Schwarz geführte GRG Services Group in Reinickendorf. Den Familienbetrieb hatte sein Großvater 1920 als „Groß-Berliner Reinigungsgesellschaft“ gegründet. Damals gehörten Warenhäuser zu den ersten Kunden. Heute bietet die GRG viele weitere Dienstleistungen im Gebäudemanagement. Die Mitarbeiterzahl stieg seit 1990 von 2000 auf 3000. Die Hälfte davon ist am Stammsitz Berlin tätig, die übrigen arbeiten in Hamburg und Bayern.

Bei manchen Kunden spürt die Firma die Auswirkungen der Krise – und reagiert flexibel. Es gebe Industriekunden, die Kurzarbeit angesetzt haben und keine Reinigung ihrer Werke an fünf Wochentagen mehr benötigen. „Dann wird der Reinigungsturnus verlängert, wir pochen nicht auf den Vertrag“, sagt Schwarz.

Er glaubt, von den Konjunkturmaßnahmen werde das Handwerk profitieren. Investitionen fehlten bisher vor allem bei öffentlichen Gebäuden und Straßen. Bis Ende 2010 stehen durch das Konjunkturpaket II zusätzlich 632 Millionen Euro für Infrastrukturmaßnahmen bereit – davon allein 196 Millionen Euro für Schulsanierungen, 84 Millionen für Kitas und 104 Millionen für energetische Gebäudesanierungen. „Es ist aber wichtig, die Vergabe zu entbürokratisieren und zu beschleunigen.“

Wachsende Umsätze erwartet Stephan Schwarz auch durch den künftige Großflughafen BBI in Schönefeld. „Der allergrößte Teil der Aufträge bleibt in Berlin.“ Dazu, sagt er, habe auch die Kammer durch Gespräche mit allen Beteiligten beigetragen.

Handwerker machen sich vor allem Sorgen um die Finanzierung durch die Banken. Tatsächlich droht in Berlin aber keine Kreditklemme. Wichtige Geldinstitute reagieren bei Kreditien nicht zurückhaltender als bisher.“

Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin

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