Zeitung Heute : Die teuerste Anlage macht Stimmung für den guten Klang

BERND MATTHIES

Soundtüftler im Aufwind: Die High-End-Präsentation in den Hallen 8.1.und 10.1 zieht sensationslustige und anspruchsvolle Hörer gleichermaßen anVON BERND MATTHIES

Doch, man ist allgemein zufrieden bei den Herstellern, die sich das Gütesiegel "High End" auf die Fahnen geschrieben haben.Die Preis- und Qualitätsexoten, die sich früher bescheiden in einer Ecke versteckten, wenn sie die Funkausstellung nicht überhaupt ignorierten, ziehen diesmal viel Interesse auf sich.Entscheidend dafür ist wahrscheinlich die Kooperation mit den Fachmagazinen Audio und Stereoplay mit der "teuersten Hifi-Anlage der Welt".Die sind nichts für zu Hause, aber ein cleverer Marketing-Gag, der Hörlustige in Scharen anzieht. Die auf ungefähr 1,2 Millionen Mark veranschlagte Geräte-Versammlung mit den wahrscheinlich häßlichsten Boxen der Welt macht mörderisch Druck, zuviel für den bescheidenen Pavillon.Die Bässe reißen den Zuhörern bei Michael Jacksons "Blood on the Tracks" (von der Vinylplatte!) den Kopf ab, die Subtilitäten der Digital Versatile Disc DVD, deren Stereoformat hier erstmals mit Geräte-Prototypen vorgeführt wird, verhallen im Rauschen der Klimatisierung, die gegen die Hitzewallungen der riesigen Mark-Levinson-Endstufen ohnehin schlechte Karten hat.In 20 Minuten ist wegen des enormen Andrangs alles vorbei. Aber diese Anlage muß natürlich in der Mitte der Ausstellung stehen.Die feinen Hersteller haben dagegen die Möglichkeit, für anspruchsvollere Vorführungen in Nebenräume des Messegeländes auszuweichen.Dieter Burmester nutzt den abgelegenen VIP-Raum 2 für einen fulminanten Surround-Overkill.Der weltweit in Fachkreisen bekannte Berliner Tüftler ist selbst Rockmusiker, er liebt es, wenn die Gitarren mit Macht über den Zuhörer herfallen und weiß deshalb, daß Leistung durch nichts zu ersetzen ist, außer durch mehr Leistung.Konsequenterweise ist der Schlußpunkt der Show eine Passage aus "True Lies", in der Schwarzenegger mit einem Militärjet Schurken im Dutzend in die Hölle schickt.Kawumm! Aber Burmester ist natürlich nicht nur Akustik-Feuerwerker.Eric Claptons "Tears in Heaven", eine vermeintlich totgesendete Gefühlsduselei, gewinnt in der präzisen, effektfreien Fünfkanalabbildung anrührende Überzeugungskraft, und die Orgel der Berliner Lindenkirche grollt mit brachialer Intensität.Burmester setzt alles auf die AC-3-Surroundtechnik von Dolby mit fünf getrennten Kanälen und einem zusätzlichen Baßkanal."Das bringt die Familien wieder zusammen", sagt er, "weil die Fernseh-Fans und die High-Ender nicht mehr in verschiedenen Zimmern sitzen müssen." Wolfgang Meletzky, der Chef der nicht minder renommierten Berliner Firma MBL bleibt dagegen aus Überzeugung zweikanalig.Wenn Burmester einen Überschalljet konstruiert hat, dann ist seine Anlage ein High-Tech-Kunstflieger.Der Saal 10 im ICC ist zu groß, und so ist der Höreindruck distanzierter, nicht so unmittelbar.Aber die komplizierten Radialstrahler zeigen dennoch, daß sie nicht nur mit symphonischer Musik glänzend zurechtkommen, sondern auch rülpsende E-Bässe in den Raum schleudern und Jazzgruppen durchleuchten können.Sehr eindrucksvoll: Die nach dem neuen 24/96-Standard aufgenommene CD "Hobo" von Sara K., auf die auf der gesamten Messe kaum ein Vorführer verzichtet. Alles, zugegeben, unglaublich teuer.Für Normalverdiener ist die Präsentation der Berliner Traditionsfirma Isophon eine Alternative.Im kleinen, gut isolierten Kabuff stellt Entwickler Roland Gauder seine weiterentwickelte Box "Vertigo" vor, und auch die Elektronik der badischen Firma AVM bietet Qualität für überschaubare Preise. Hallen 8.1 und 10.1.Die Plätze der "teuersten Anlage" werden ohne Reservierung nach Anstehen vergeben, für die Burmester-Vorführung (jeweils zur vollen Stunde im VIP-Raum) gibt es Karten am Stand der Firma.Die MBL-Anlage wird täglich um 17 Uhr im ICC-Saal 10 vorgeführt.

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