Zeitung Heute : Die Tücken des Mausklicks

E-Mail-Bewerbungen sind nicht bei allen Arbeitgebern beliebt

Constantin Gillies

Auf der Suche nach einem Job ist der Blick ins Internet wichtiger als in die Zeitung. Das hat eine Studie der Uni Frankfurt ergeben. Demnach bieten 80 Prozent aller großen Unternehmen offene Positionen auf ihrer Homepage an, Zeitungsanzeigen schalten dagegen nur 54 Prozent.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn: Die meisten Jobsucher wissen gar nicht, wie man sich richtig online bewirbt. Einfach einen Lebenslauf per E-Mail zu verschicken, ist schon lange nicht mehr die feine elektronische Art. Im Gegenteil: Jobsucher können sich bei einem prospektiven Arbeitgeber sogar unbeliebt machen. „Eine E-Mail-Bewerbung ist manchmal schlimmer als eine auf Papier“, warnt Falk von Westarp, Marketingdirektor bei der Online-Stellenbörse Monster.

Das Wiesbadener Unternehmen hat die Trendstudie zur Personalbeschaffung gemeinsam mit der Uni Frankfurt erstellt. Wichtigstes Ergebnis aus Bewerbersicht: Wer den Personalern gefallen will, bewirbt sich per Online-Formular. 60 Prozent aller Firmen setzen schon solche digitalen Vordrucke ein. Meist sind die Bildschirmmasken auf der Firmenhomepage oder in einer Jobbörse platziert. Das Motiv der Firmen: Nur wenn die Jobsucher ihre persönlichen Daten in das Formular eingeben, können die Bewerbungen von einer Software schnell und automatisch bearbeitet werden.

Bei E-Mails dagegen herrscht Kraut und Rüben: Jeder Bewerber hat seinen Lebenslauf anders aufgebaut, andere Programme und Dateiformate benutzt. Den digitalen Dschungel zu durchforsten, ist unter Personalern unbeliebt. Bei den Bewerbern sind es die Webformulare. Auf jeder Homepage und Stellenbörse müssen die gesamten Daten neu eingegeben werden. Bewerbungen nach dem Gießkannenprinzip sind so unmöglich. Genau darauf spekulieren manche Unternehmen: „Für uns ist das eine Reservemauer gegen die elektronische Bewerberflut“, sagt Axel Rekemeyer, Geschäftsführer der Stellenbörsenanbieter hr4you. Gegen wunde Finger hilft deshalb nur eines: Den Lebenslauf bei einer Stellenbörse hinterlegen. Dann kann man sich auf die dort geschalteten Anzeigen mit einem Mausklick bewerben.

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