Zeitung Heute : Die Turracher Höhe als Schlaraffenland für verwöhnte Alpinisten

Blacky Neubauer

Es gibt sie noch - die Heinzelmännchen. Zumindest im Almdorf "Seinerzeit", einem Hüttendorf am Rande der Nockberge, scheinen die hilfreichen Hausgeister noch sehr aktiv zu sein. Unser Heinzelmännchen heißt Josef. Während wir eingemummelt in kuscheligen Schafwolldecken schlummern, schleicht sich der gute Geist in unsere Hütte, schleppt körbeweise Kaminholz in die große Stube, heizt Kachel- und Küchenofen an. Anschließend kommt Gerhard, das Frühstücks-Heinzelmännchen mit knackigen Brötchen, frisch gebrühtem Kaffee, Butter und Käse. Als wir kurze Zeit später herunterkommen, ist die Hütte angenehm warm, der große Holztisch frisch gedeckt.

"Urlaub in der Almhütte - mit dem Service eines guten Hotels" will Karl Steiner seinen Gästen bieten. In einem Almdorf hoch über dem Gurktal, in Hütten, die nach historischen Vorbildern gebaut und deren Hölzer weder mit Chemikalien noch mit Farbe behandelt wurden. Selbst die Dächer sind wie in früheren Zeiten aus Lärchenholzschindeln. Beheizt werden die Hotelhütten (75 Quadratmeter, sieben Betten) mit Kachel-öfen, die man problemlos in einen offenen Kamin verwandeln kann. Sogar die Dachrinnen und die Badewannen sind aus Holz.

Rund sieben Millionen Mark hat sich der Almdorf-Besitzer die 24 Gebäude, die um einen kleinen Dorfteich gruppiert sind, kosten lassen. Nostalgisch auch die Beleuchtung des 1400 Meter hoch gelegenen Ortes: Laternen erleuchten Straßen und Wege. Jeden Abend kommt Siggi, ein 75-jähriger Bergbauer aus dem Nachbardorf, den Hügel hochgeklettert, entzündet die 94 Lampen, spitzt die Dochte an, gießt Petroleum nach.

Im Almdorf-Restaurant, wo ebenfalls Petroleumlampen und Kerzen für romantische Stimmung sorgen, lässt Karl Steiner die alte Kärntner Küche wieder aufleben - mit Gerichten, die schon "seinerzeit" gemundet haben. Zum Beispiel "Kasnudeln", faustgroße Nudeln, gefüllt mit Topfen (Quark), Minze, Kerbelkraut und Petersilie.

Sieben Wochen lang hatte sich Karl Steiner in eine einsame Berghütte zurückgezogen. "Dann stand das Konzept", erinnert sich der Almdorfbesitzer. Urige Hütten-Nostalgie wollte er bieten, gepaart mit moderner Technik wie Telefon, Satellitenfernsehen, Stromversorgung - und heißem Wasser. "Denn nach der ersten eisigen Katzenwäsche unter freiem Himmel verliert die Hüttenromantik schnell ihren Reiz."

Ebenso gemütlich wie das Steinersche Almdorf ist das nur drei Kilometer entfernte Skigebiet rund um dem Falkertsee. Fünf Schlepplifts, die in 1690 Meter Höhe beginnen und die Wintersportler bis auf 2385 Meter bringen. Besonders groß (nur zehn Kilometer präparierte Pisten) ist das Falkertgebiet nicht, dafür aber schneesicher.

Wer es etwas rasanter haben will, muss auf die Turracher Höhe. Ein Wintersportort an der Grenze zwischen Kärnten und der Steiermark, nur 20 Autominuten vom Almdorf entfernt. "Die Landesgrenze geht mitten durch den Ort", erzählt Othmar Kohlweg, ein Berg- und Kräuterexperte, während wir auf Schneeschuhen im Watschelgang durch die tief verschneiten Nockberge wandern. Das Skigebiet mit seinen 30 vornehmlich leichten bis mittelschweren Pistenkilometern erstreckt sich rund um den in 1763 Meter Höhe gelegenen Turracher See und führt bis auf 2200 Meter Höhe.

Für Ski- und Snowboardfahrer, die auch mal die Seiten wechseln wollen - vormittags sind die Hänge am Kornock sonniger -, gibt es ein eigenes, kostenloses Pistentaxi. Die umgebauten Motorbobschlitten pendeln pausenlos zwischen den Lifts am Ost- und Westufer. Man hängt sich einfach an den Bob, der an beiden Seiten riesige Haltestangen besitzt, und lässt sich damit über den zugefrorenen See ziehen.

Adriatiefs aus dem Süden, Schlechtwetterzonen aus dem Norden sorgen in dem überschaubaren und noch nicht überlaufenen Skigebiet für sichere Schneeverhältnisse, so dass auch die Langläufer stets erstklassig präparierte Loipen vorfinden. Anfänger sollten die doppelt gespurte Route um den Turracher See vorziehen. Sie ist vollkommen eben und nur 1,8 Kilometer lang. Mehr Geschick und Kondition verlangt hingegen die Sonnen-Loipe. Immerhin sind bis zur urgemütlichen Vastlhütte knapp neun Kilometer und ein Höhenunterschied von 47 Metern zurückzulegen. Doch für die Strapazen wird man belohnt - mit einer faszinierenden Tour durch eine romantische Zirbenwaldlandschaft und einem herrlichen Ausblick auf die Karawanken und Julischen Alpen.

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