Zeitung Heute : DIE USA ENTPUPPEN SICH IN PARIS ALS SCHWACHER GEGNER: Ein glanzloser 2:0-Erfolg der DFB-Elf zum Auftakt

KLAUS ROCCA

PARIS .Keine rauschende Premiere, doch die hatte man auch nicht erwartet.Hauptsache den Pflichtsieg unter Dach und Fach gebracht, werden sich die deutschen Fußballer gesagt haben.Gewonnen wurde nach einigem Leerlauf mit Toren von Andreas Möller und Jürgen Klinsmann dann doch noch ungefährdet mit 2:0 (1:0).Freilich gegen die US-Amerikaner, die nach der Vorrunde dieser Weltmeisterschaft höchstwahrscheinlich ihre Koffer packen müssen.Dann wird es für sie ein schwacher Trost sein, den Deutschen im Pariser Prinzenparkstadion einige Zeit Paroli geboten zu haben.Nicht mehr und nicht weniger.

Endlich einmal ein großes Turnier spielen, das ist schon seit geraumer Zeit der große Traum des Andreas Möller.Vielleicht geht diesmal der Traum in Erfüllung.Einen besseren Start als gestern hätte er kaum haben können.Nach nur neun Minuten, nach dem Eckball von Thon sowie dem "doppelten" Kopfball von Klinsmann und dem KSCer Régis, war Möller gleichfalls mit dem Kopf zur Stelle und erzielte das 1:0.Genau das, so ein frühes Tor, hatte sich Vogts erhofft.Freilich, welcher Trainer täte das nicht.

Die große Linie, Ruhe und Abgeklärtheit kamen durch dieses Tor bis zur Pause freilich nicht ins Spiel der Deutschen, bei aller optischen Überlegenheit.Wohl auch, weil die Sturmspitzen Klinsmann (gegen Régis) und Bierhoff (gegen Pope) reichlich wirkungslos blieben.Am mangelnden Druck aus dem Mittelfeld lag es nicht.Da die Amerikaner nur mit einer Sturmspitze (Wynalda) agierten, konnten seine abwechselnden Bewacher Wörns und Kohler immer wieder mit in die Offensive gehen.Doch oft gab es auch das wahrlich nicht attraktive Quergeschiebe im Mittelfeld.Damit konnte man die neutralen Zuschauer nicht beeindrucken.Auch die deutschen Schlachtenbummler ("Steht auf, wenn Ihr aus Deutschland seid"), unter ihnen welche aus Berlin mit der Fahne von "Eisern Union", wurden am Ende der ersten Halbzeit immer leiser.

Zum Glück waren die US-Amerikaner mit ihren früheren und heutigen Bundesliga-Legionären so harmlos, wie man es erwartet hatte.In den ersten 45 Minuten hatten sie nicht eine echte Torchance.Zudem unterliefen ihnen viele Abspielfehler.Da brauchte sich Torhüter Köpke keine Sorgen zu machen.Durfte sich Möller ob seines Tores als Gewinner fühlen, so wirkte sein künftiger Vereinskamerad Häßler nach seinem Auftaktspiel alles andere als glücklich.Was wunder.Häßler bot in der ersten Halbzeit wenig, nach 50 Minuten war sein erster Auftritt schon vorbei.Bei einer gegnerischen Attacke, die zu Recht nicht einmal mit einem Freistoß geahndet wurde, verletzte sich der gebürtige Berliner und schied verletzt aus.

Es lag gewiß nicht am für ihn eingewechselten Hamann, daß urplötzlich Unruhe ins deutsche Spiel kam.Köpke, bis dahin nicht geprüft, stand plötzlich im Brennpunkt des Geschehens, so bei einem Kopfball des kurz zuvor ins Spiel gekommenen und gleich verwarnten Hejduk.Glaubten die Deutschen etwa schon, ihr Soll erfüllt zu haben? Besonders enttäuschend war weiterhin, was die Stürmer boten.Aus der Kurve der amerikanischen Fans gab es so manches Hohngelächter, wenn Klinsmann und Bierhoff am Ball waren.Das Lachen verging ihnen allerdings nach einer guten Stunde, als Mannschaftskapitän Klinsmann eine Flanke Bierhoffs geschickt annahm und sicher zum 2:0 einschoß.Nach diesem Treffer, der dem so oft kritisierten Klinsmann sichtlich guttat, höhnten die deutschen Schlachtenbummler: "Ihr könnt nach Hause fahren!"

Fazit: Kein Spiel, bei dem man mit der Zunge schnalzen konnte.Aber ein deutscher Erfolg, auf dem man aufbauen kann.Es gab in Frankreich schon Favoriten, die weit schlechter gespielt haben.

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