Zeitung Heute : Die vernetzte Familie bleibt ein Traum

DETLEF BORCHERS

Immer öfter wird heute "lebenslanges Lernen" gefordert.Telelearning ist darum das Schlagwort der Stunde, das prompt für jede Form der computerisierten Informationsbeschaffung durch "Nichtwissende" benutzt wird.Hotlines, die bei Computerproblemen weiterhelfen, werden ebenso mit dem Begriff Telelearning belegt wie die Anbieter von lexikalischen Informationen.Grenzt man den Begriff auf eine Lernsituation ein, in der einzeln oder in der Gruppe miteinander gelernt wird, bleiben drei Bereiche, in denen Telelearning stattfindet.Da ist die Familie, in der jeder Mensch die ersten Lernschritte übt, das Schul- und Universitätswesen und die Mitarbeiter-Fortbildung.



Die Masse der heutigen Telelearning-Angebote ist eindeutig auf die Fortbildung in der Firma ausgerichtet.Nicht ohne Grund, denn technisch wie inhaltlich ist dies eine einfache Sache: Mitarbeiter sind motiviert, weitere Qualifikationen zu erlernen.Häufig genug wird nur der Umgang mit Softwarepaketen wie Microsoft Office geschult oder der Umgang mit dem Internet offline geübt.In dieser Form ist Telelearning wenig mehr als die Erweiterung bestehender CBT-Ansätze (Computer Based Training).



Etwas anders sieht es im Bildungswesen aus.Hier herrscht das Experimentelle vor: Schulen experimentieren mit der Selbstdarstellung im Internet, experimentierfreudige Lehrer integrieren mitunter Recherche und Kommunikation in verschiedene Lehrinhalte.Universitäten sind eher damit befaßt, die technischen Hilfsmittel für das Telelearning zu entwickeln.Erweiterungen der Internet-Sprache HTML, Java-Lernumgebungen oder spezielle Browser für die Gruppenarbeit werden hier ausprobiert.Mit der Erforschung der technischen Möglichkeiten leisten die verschiedensten Institute einen wichtigen Beitrag, denn Telelearning steht ganz am Anfang der technischen Entwicklung.Vereinzelt gibt es auch Vorlesungen und Seminare, die über das Internet angeboten werden; führend ist hier die Fernuniversität Hagen.



Ganz düster sieht es im familiären Umfeld aus.Dort, wo die ersten Lernerfahrungen im Umgang mit dem Computer gemacht werden, ist das Angebot kümmerlich bis abschreckend.Dabei sind sich die Fachleute einig, wie wichtig Lernschritte in dieser Umgebung sind.In seinem Buch "Die vernetzte Familie" (Kreuz Verlag, Stuttgart und www.connectedFamily.com ) versucht sich der Erziehungswissenschaftler Seymour Papert am Nachweis, das Kinder am Computer wichtige soziale Fähigkeiten lernen können - und die heutige Elterngeneration mit den Kindern mitlernt.Für Papert ist es ausgemachte Sache, daß sich Computer immer auf Kinder und Eltern zugleich auswirken.Hinter den Vorschlägen von Papert steht die Idee vom "neuen Lerner".Wer einmal in der Familie und in der Schule das richtige Lernen gelernt habe, könne auf ein offenes System losgelassen werden.Aus dieser Perspektive bietet das Internet eigentlich paradiesische Zustände, Klick für Klick.Doch angesichts des World-Wide-Wustes ist die Idee der Didaktiker nachgerade rührend: Wer vermittelt den Lernenden die Fähigkeit wenigstens zu ahnen, wann sie auf Blödsinn stoßen?

Ein erster Ausweg ist die Zusammenfassung von Lernmöglichkeiten zu Angebotsplattformen.So präsentiert die deutsche Telekom ihr "Global Learning" ( www.global-learning.de ) als Sprungstelle für Anbieter wie Wissensdurstige gleichermaßen.Die Belegung und Abrechnung von Kursleistungen erfolgt über die deutsche Telekom.Wer von T-Online aus das virtuelle Schulungscenter betritt, findet die Kosten in seiner T-Online-Abrechnung wieder.26 Firmen sind bislang vertreten, überwiegend aus dem Bereich der betrieblichen Fortbildung.Eigenständige Angebote wie die virtuelle Fernuniversität Hagen, die Sprachschule Berlitz Online oder die Initiative "Schulen ans Netz" sind zugeschaltet.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar