Zeitung Heute : Die Versprechen werden eingelöst

Vernetzt, tragbar und bunt – im Jahr 2004 wächst auch technisch zusammen, was zusammengehört

Janko Röttgers

Auch die Computer-Branche hat gute Vorsätze für das kommende Jahr gefasst. Ganz oben auf der Liste: Konvergenz. Das Zauberwort geistert seit Jahren durch die Presse und verspricht eine Zukunft, in der bunte Entertainment-Welten und graue PCs zusammenwachsen. Musik und Filme sollen von Festplatten abgespielt werden, Internet-Seiten auch jenseits des Monitors verfügbar sein. Viel mehr als leere Versprechen und teure Liebhaberstücke konnten die Hersteller von Computern und Entertainment-Produkten allerdings bisher noch nicht vorweisen. Das soll sich im neuen Jahr ändern: Nun haben sich eine ganze Reihe von Firmen vorgenommen, endlich Ernst zu machen mit dem viel beschworenen Zusammenwachsen der verschiedenen Medien.

Die Chancen dafür stehen im gerade begonnenen Jahr erstaunlich gut. 2003 erreichten Heim-Netzwerke erstmals den Massenmarkt. Zahllose Konsumenten legten sich Funknetze zu, um bequem drahtlos im Netz surfen zu können. 2004 wird uns nun eine Flut von Geräten bescheren, die sich in heimische Netzwerke einklinken können. So hat Sony angekündigt, im Laufe des Jahres seine neue PSX-Spielkonsole nach Europa bringen zu wollen. Das Gerät vereint die Videospiel-Künste der Playstation 2 mit einem digitalen Videorecorder und einem DVD-Brenner. Seit Mitte Dezember gibt es die PSX bereits in Japan zu kaufen – wahlweise mit 160 oder 250 Gigabyte Festplattenspeicher für Filme, Musik und Spiele. Sony entschied sich in letzter Sekunde dafür, auf einige bereits angekündigte Merkmale zu verzichten, um das japanische Weihnachtsgeschäft nicht zu verpassen. So spielt die PSX vorerst keine MP3-Songs ab. Auch der Zugriff auf selbst gebrannte Medien wird bisher nur eingeschränkt unterstützt. Die Firma hat jedoch versprochen, mit kostenlosen Firmware-Updates nachzubessern. Die nicht eingehaltenen Versprechen und der mit umgerechnet rund 600 beziehungsweise 750 Euro relativ hohe Straßenpreis hat Marktforscher dazu verleitet, die PSX als Publicity-Stunt abzutun. Japanische Videogame-Fans ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken und sorgten am Erscheinungstag in zahllosen Läden für leere Regale.

MP3s und Web-Radio per Funk

Wer vernetztes Entertainment etwas günstiger haben will, wird in den kommenden Monaten eine ganze Reihe von Funk-basierten Stereokomponenten erstehen können. So wird die Squeezebox der Firma Slim Devices Deutschland Anfang des Jahres erreichen. Das Gerät erlaubt für rund 300 Euro drahtlosen Zugriff auf MP3s und Internet-Radios. Außerdem will Philips im Februar seine bereits für den Herbst angekündigten Streamium-Receiver SL300i und SL400i auf den Markt bringen, die MP3s und Videos drahtlos vom PC ins Wohnzimmer übertragen. Die Macher der Anfang Januar in Las Vegas stattfindenden Consumer Electronics Show (CES) waren vom SL400i derart angetan, dass sie das Gerät zu einer der Innovationen des Jahres 2004 kürten.

Ebenfalls mit CES-Vorschusslorbeeren wurde der TAZ-Player der US-Firma Tight Systems bedacht. Das Gerät will so etwas wie der iPod der Video-Generation sein. Es ist etwa so groß wie ein Taschenbuch und besitzt einen kleinen Bildschirm für High Definition Video sowie eine auswechselbare 60-Gigabyte-Festplatte. Natürlich lässt sich auch der TAZ-Player ins heimische Netz einklinken. Im ersten Quartal 2004 sollen die ersten TAZ-Geräte in den USA erhältlich sein.

Doch nicht nur Tight Systems versucht, den Erfolg des iPods mit tragbaren Video- Playern zu wiederholen. Auch Apple selbst arbeitet Gerüchten zufolge an einem Videogerät für die Westentasche. Doch bevor dieser das Licht der Öffentlichkeit erblickt, werden sich Mac-Fans erst einmal mit einem neuen digitalen Audioplayer vergnügen können.

Insidern zufolge will Apple-Chef Steve Jobs die Macworld Expo Anfang Januar dazu nutzen, einen preisgünstigen iPod vorzustellen, der ab rund 100 US-Dollar erhältlich sein wird. Die bisherigen iPod-Modelle basieren auf Festplatten mit bis zu 40 Gigabyte Speicherplatz und kosten bis zu 500 Dollar. Ihre kleinen Geschwister sollen nun auf günstigere Flash-Memory-Module setzen und bis zu vier Gigabyte Speicher bieten. Außerdem will Apple die Geräte angeblich in zahlreichen verschiedenen Farben anbieten. Wohlgemerkt: All das sind nur Gerüchte. Von Apple gibt es vorab mal wieder kein Wort zu solchen Plänen. Neue Produkte zaubert Steve Jobs traditionsgemäß erst dann aus dem Hut, wenn sie verkaufsfertig sind.

Weit weniger geheim pflegt man dagegen beim Konkurrenten Microsoft mit Zukunftsplänen umzugehen. Bill Gates Firmenimperium kündigt Neuheiten gerne lange vorab an. So wollte der Konzern eigentlich schon im vergangenen Herbst gemeinsam mit Uhrenherstellern ein Angebot auf den Markt bringen, dass die Zeitmesser um personalisierte, per Funk übertragene Nachrichten erweitert.

Kein Starttermin für Deutschland

Nun sind die Uhren in den USA ab Januar für rund 200 Dollar zu haben. Der Zugriff auf den MSN Direct-Service kostet zusätzlich zehn Dollar pro Monat. Zu einem Deutschland-Starttermin schweigt man sich bei Microsoft aus – womöglich aus Angst, wieder ein Versprechen nicht halten zu können.

Mehr zum Thema unter:

www.psx.sony.co.jp

www.streamium.com

www.slimdevices.com

www.tightaudiosystems.com

www.apple.com

http://direct.msn.com

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