Zeitung Heute : Die Verwaltung probt das papierlose Büro

KURT SAGATZ

Vernetzung und Workflow-Management sollen Effektivität steigern / Anwenderforum in BerlinVon KURT SAGATZ­Die vergangenen 30 Jahre des EDV-Einsatzes in deutschen Verwaltungen ergeben eine Geschichte von Dingen, die nicht zusammenpassen.Karl-Heinz Löper, bislang stellvertretender Leiter des Berliner Landesamtes für Informationstechnik (LIT) übte am Dienstag zu Beginn des vierten Anwenderforums "IT-gestützte Vorgangsverarbeitung in der öffentlichen Verwaltung" nicht ohne Ironie Selbstkritik.Da paßt die Software nicht zu Hardware, die Hardware nicht zu den Netzen, und auch die Netze untereinander sind nicht automatisch kompatibel, weiß der Berliner Verwaltungsmann, der zugleich den Blick nach vorn richtete: "In der Produktionstechnik wurden die Schulaufgaben bereits gemacht, dort passen die Dinge besser als im Büro", so Löper.Dort liege nun die zu bewältigende Aufgabe, damit die Dinge übergreifend in Ländern, Bund und Europa zusammenpaßten. In Berlin wird sich diesbezüglich in nächster Zeit einiges tun.Dies war dem zweitägigen Forum, das gemeinsam von der Beratungsfirma Infora und dem LIT veranstaltet wurde, durchaus zu entnehmen.Karl-Heinz Löper ist seit einer Woche damit beschäftigt, in der Senatsinnenverwaltung eine neue Stabsstelle mit dem Namen "Zentrale Services C" einzurichten, die künftig den Einsatz von Informations- und Telekommunikationstechniken in der Berliner Verwaltung koordinieren soll.Das neue Aufgabengebiet des Ex-LIT-Mannes hängt indirekt auch mit Berlins Anstrengungen zusammen, mittels der neuen Technologien neue Wachstumsfelder für die hiesige Wirtschaft, neue Arbeitsplätze sowie bessere Lebensbedingungen für die Berliner zu schaffen, wie der Staatssekretär der Berliner Wirtschaftsverwaltung, Wolfgang Branoner die Aufgaben der Initiative "Der Berliner Weg in die Informationsgesellschaft" beschrieb.Im Bereich der Verwaltungen geht es beispielsweise darum festzustellen, welche Projekte, die mitunter voneinander noch gar nichts wußten, miteinander verzahnt werden könnten.Auch der Bürger soll von den neuen Wegen profitieren: Als Aufgabenfeld der Initiative wird unter anderem der Punkt "interaktive Verwaltung" augeführt. Der Weg dorthin dürfte noch lang sein.Kürzer sind bereits jetzt die Wege, die die Dokumente im Bundesverwaltungsamt in Köln, das auch für die Verwaltung und Einziehung von BAFöG-Darlehen zuständig ist, zurücklegen.Damit die rund 240 Mitarbeiter ihre Aufgaben bewältigen können, wird dort das papierlose Büro erprobt.Dokumente werden nach Eingang eingescannt, der weitere Transport und die Bearbeitung erfolgen elektronisch.Die Notwendigkeit ergibt sich daraus, daß sich die bislang eine Million Postein- und ausgänge pro Jahr bis 1999 voraussichtlich verdoppeln werden.Die Vorteile der neuen Methode: Keine Such- und Liegezeiten, schneller Zugriff und damit die Chance, direkt auf telefonische Anfragen reagieren zu können.Und vor allem erhofft sich das Amt erhebliche Einsparmöglichkeiten.

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