Zeitung Heute : Die Wärme schickt der Himmel

Solarthermische Anlagen sparen Heizkosten und entlasten die Umwelt. Anlagenbauer rechnen für das kommende Jahr mit deutlichen Preisrückgängen

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Von Heiko Schwarzburger Vor wenigen Jahren noch Exoten in der Öko-Nische, nun schon ausgereift und wirtschaftlich: Die Solarthermie hat sich mittlerweile einen festen Platz in Auftragsbüchern der deutschen Heizungsbauer erobert. Im vergangenen Jahr wuchs diese Branche um fast ein Drittel, auch für 2006 wird eine ähnliche Dynamik erwartet.

Solarthermische Anlagen nutzen die Energie der Sonnenstrahlung aus, um Heizwärme zu erzeugen. „Man kann damit Warmwasser bereiten und den Heizkessel entlasten“, erläutert Martin Schnauss, Energieberater und Experte für solarthermische Anlagen. „Die Technik ist ausgereift, so dass man im Sommer den gesamten Wärmebedarf für das Warmwasser aus Sonnenkollektoren decken kann. In der Übergangszeit und im Winter helfen die Kollektoren, dann muss der Brenner nicht so oft anspringen. Das verlängert die Lebensdauer des Kessels und spart Brennstoff.“

Schnauss hat bereits zahlreiche Anlagen geplant, darunter Großanlagen mit 600 Quadratmetern Kollektorfläche. Im Stadtbild sind diese großflächigen Anlagen immer häufiger zu entdecken. Nach Schätzungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wurden bislang rund 47 000 Quadratmeter Solarkollektorfläche in Berlin installiert.

Denn angesichts der steigenden Preise für Heizöl und Erdgas denken immer mehr Hausbesitzer über Alternativen nach. „Typische Anlagen für Einfamilienhäuser haben zehn Quadratmeter. Damit kann man rund sechzig Prozent des Wärmebedarfs decken“, sagt Schnauss. „Das hängt aber von verschiedenen Faktoren ab, etwa dem Neigungswinkel des Daches, seiner Ausrichtung und der Verschattung. Als Faustregel gilt: Man braucht einen Quadratmeter Kollektorfläche, um 50 Liter Warmwasser am Tag zu erhitzen.“ Das entspricht dem Verbrauch einer Person. Will man den Anteil der Umweltwärme erhöhen, muss eine größere Kollektorfläche aufs Dach, auch müsssen die Speicherkapazitäten ausreichend dimensioniert werden. Ganz zu schweigen vom Budget für diese Investition. Vor allem Häuslebauer setzen auf die umweltfreundliche Solartechnik. Am häufigsten werden Flachkollektoren verbaut. Das sind schwarze Bleche, in die Glasröhren eingeschweißt sind. Strahlt die Sonne auf den schwarzen Untergrund, heizt er sich auf. Eine Flüssigkeit in den Röhren führt die Wärme über Leitungen und Pumpen in den Warmwasserspeicher. Reicht die Wärmeleistung der Kollektoren nicht aus, um genügend Warmwasser aufzubereiten, springt der Brenner an, der gleichfalls in den Wasserspeicher heizt. „Das ganze System kostet ungefähr 1000 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche“, rechnet Schnauss vor. „Darin sind alle Komponenten enthalten, auch die Armaturen und Regler.“

Die Solarthermie bietet eine wirtschaftliche Alternative zu Öl, Gas und Kohle. Die Preisspirale bei diesen Brennstoffen wird sich weiter nach oben bewegen; die Sonne aber liefert ihre Wärme frei Haus. „Die Investitionen rechnen sich innerhalb einiger Jahre“, meint Schnauss. „Wenn man günstige Förderkredite von der Kreditanstalt für Wiederaufbau oder dem Bundesamt für Ausfuhrkontrolle nutzt, fällt die solarthermische Anlage durch die Zinsersparnis und die eingesparten Brennstoffkosten quasi mit ab.“

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