Zeitung Heute : Die Weine des Monats: Grauburgunder vom Durbacher Kochberg

Bernd Matthies

Der 2000er wird in Deutschland garantiert kein Jahrtausendwein. Ein verregneter Herbst mit blitzartig auftretender Fäulnis hat viele Hoffnungen zunichte gemacht, und so wird vieles in allerhand Verschnitten untergehen. Erzeuger, die es sich leisten konnten, sorgfältig zu selektieren, werden dagegen auch aus diesem Jahr überwiegend gute Weine auf den Markt bringen können, wenn auch in geringeren Mengen. Und die Genossenschaften? Stehen irgendwo dazwischen. Eine der besten deutschen sitzt in Durbach in der Ortenau. Ihre Mitglieder bewirtschaften rund 300 Hektar Rebfläche, und dennoch schafft es Kellermeister Josef Wörner, alljährlich individuelle, sortentypische Weine mit Lagencharakter in die Flaschen zu bringen. Unser Beispiel, der 2000er Grauburgunder aus der Lage Durbacher Kochberg, ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Er gewinnt seine Überzeugungskraft gerade aus den vermeintlichen Nachteilen des schwierigen Jahres, weil er mit seiner eher schlanken, säurebetonten Art ein angenehmerer Essensbegleiter ist als die extrem alkoholbetonten badischen Grauburgunder der späten Neunziger. Frucht, Eleganz, duftige Birnen- und Kräuternoten in der Nase - alles ist da, ein Frühlings- und Frühsommerwein par excellence, der zu den derzeit obligatorischen Geflügelgerichten bestens passt und auch zu Spargel eine gute Wahl ist, sofern die Zubereitung nicht zu säurebetont ausfällt. Die Flasche kostet 12,50 Mark bei der Weinagentur Konzag in der Sonnenallee 102 in Neukölln.

In Übersee haben sie dem Vorurteil zufolge immer das gleiche Wetter und folglich auch immer den gleichen Wein. Doch das ist natürlich Unsinn. In Argentinien zum Beispiel waren Frühjahr und Sommer des Jahrgangs 1998/1999 eher feucht und kühl, und so sind die Weine durchaus differenziert und charaktervoll ausgefallen. Eine große argentinische Spezialität ist die Malbec-Rebe, die in Frankreich nur noch in der Cahors-Region nennenswerte Bedeutung hat, in Argentinien aber Spitzenweine erbringt. Unsere Wahl fiel auf den Malbec, den die Winery Chandon, ein Unternehmen der Veuve-Cliquot-Gruppe, unter dem Namen Terrazas Alto Malbec produziert. Jede Rebsorte - es gibt z.B. auch Cabernet Sauvignon - findet auf den Terrassenanlagen am Fuß der Anden ihr ideales Klima; diese Malbec wächst auf einer Höhe von 1067 Metern. Der 1999er, geerntet im März, ist aromatisch dicht und kraftvoll, ohne fett zu wirken, mit frischer Säure, dennoch weich und lang anhaltend. Die Flasche kostet in jeder Reichelt-Filiale 15,99 DM, ein fairer Preis für einen hervorragenden Rotwein.

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