Zeitung Heute : DIE WEINE DES MONATS

Peter Scheib

PFALZ

Der erste deutsche Riesling aus dem vielgelobten Jahr 2007

Wie wär´ s mit einem Blick ins Jahr 2007? Ja, das ist vorbei, aber die Weine dieses in Deutschland offenbar exzellent ausgefallenen Jahrgangs werden erst nach und nach in die Regale des Handels einsickern, angefangen bei den Basisweinen, die meist schon im Winter nach der Lese verfügbar sind. Ein solcher ist der 2007 Riesling trocken des höchst renommierten Pfälzer Weinguts Christmann - ein kleines Vorab-Flaggschiff schon deshalb, weil der gelernte Jurist Steffen Christmann als neuer Präsident des Verbands der Prädikatsweingüter besondere Verantwortung nicht nur als Repräsentant, sondern auch als Winzer trägt. Der er zweifelsfrei gewachsen ist, wie schon dieser „kleine“ Riesling zeigt: ein rescher, so kurz nach Abfüllung noch recht wilder Bursche, der sich weiter harmonisieren wird, aber schon jetzt reichlich Trinkspaß verbreitet.

Vor allem: Es handelt sich bei aller typischen Geschmacksfülle mit nur 11 Grad Alkohol endlich einmal wieder um einen leichten, reintönigen und geschmacklich wirklich trockenen Zechwein, eine Kategorie, die nach klimatisch schwierigen Jahren, nach der Höllenhitze von 2003 und der Blitzfäulnis von 2006 schon vom Aussterben bedroht schien. Hoffen wir, dass der Jubel der Winzer im vergangenen Herbst insgesamt berechtigt war, nicht nur, was die Basisweine der Top-Winzer angeht; die Wartezeit indessen ließe sich kaum besser überbrücken als mit diesem knackigen Pfälzer Riesling. Die Flasche kostet sehr angemessene 10,30 Euro bei der Wein & Glas Compagnie in der Prinzregentenstraße 2 in Wilmersdorf.

AUSTRALIEN

Weitgereister Shiraz von der roten Erde der Adelaide Plains

In Australien scheint der Stern der Markenweine, die aus weit auseinander liegenden Anbaugebieten gemischt werden, langsam zu sinken. Auch dort besinnt man sich zunehmend nach europäischem Vorbild auf den Charakter der einzelnen Regionen und Lagen – und kommt nach Jahren der Cabernet-Euphorie auf Shiraz, die wichtigste Rebsorte des Kontinents, zurück. Das Herz des australischen Weinbaus ist Adelaide im Südosten, wo John Reynella 1838 die ersten Reben pflanzte. Nördlich der Stadt dehnen sich die roten Böden der Adelaide Plains, die eher für Obst und Gemüse bekannt sind; kaum jemand weiß, dass dort auch Trauben wuchsen, die in den 50er Jahren in die Cuvée des legendären „Grange“ von Penfolds eingingen. Viele süditalienische Einwanderer haben sich dort angesiedelt, durchaus nicht zufällig, denn die Region liegt auf gleicher geographischer Breite wie Kalabrien.

Von dort stammt auch die Familie Ceravolo, die zunächst überwiegend Tafelobst produzierte und ihre Trauben über Jahrzehnte an renommierte Produzenten verkaufte. Erst vor wenigen Jahren entschlossen sich Joe und Heather Ceravolo, nicht länger in der anonymen Winzermasse unterzutauchen sondern Wein unter eigenem Etikett zu vermarkten. Das hat sich gelohnt, wie der brillante Ceravolo Shiraz 2002 zeigt. Ein Bilderbuch-Shiraz mit den typischen Anklängen von Brombeeren, Schokolade und Trockenfrüchten, lang und körperreich, mit feinen Holzkonturen – und doch lebendig und elegant ohne die gerade beim Shiraz häufig störende dumpfe Marmeladigkeit. Zu haben ist die Flasche für 14,90 Euro bei Wine and Food Concept, Franklinstraße 12 in Charlottenburg. Peter Scheib

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