Zeitung Heute : Die Wintersportstationen der Pyrenäen profitieren von der wachsenden Ski-Begeisterung

Hubert Kahl

Die Spanier entdecken das Skilaufen. In den Wintersportstationen der Pyrenäen herrscht ein Andrang wie nie zuvor. Die Tourismusbranche freut sich über die Ski-Begeisterung und erwartet, dass der Boom noch mehrere Jahre anhält. Umweltschützer warnen dagegen vor den Folgen des Massentourismus für das empfindliche ökologische Gleichgewicht der Bergwelt und verlangen nach Einschränkungen. Dem prominentesten Skifahrer Spaniens ist es auf der Piste bereits zu voll geworden: König Juan Carlos wird erstmals seit vielen Jahren auf seinen Winterurlaub im Pyrenäenort Baqueira Beret verzichten und stattdessen auf der Kanaren-Insel Lanzarote weilen.

In Ländern wie der Schweiz oder Frankreich stagniert schon seit längerem die Zahl der Wintersportler oder nimmt nur noch unwesentlich zu. In den USA und Kanada ist sie gar rückläufig. Dagegen stieg in Spanien die Zahl der Skiläufer seit 1992 um 45 Prozent. "In Spanien ist der Wintersport noch ein sehr junger Markt. In den USA oder den Alpenländern fährt seit langem jedermann Ski, der dazu in der Lage ist", sagt Josep Jane Sola, Direktor des Ski-Resorts Boi Taull. "Bei uns hat das Skilaufen noch keine Tradition. Wir sind weit davon entfernt, die Kapazitäten erschöpft zu haben."

Die Branche erwartet einen Rekordwinter. In den nächsten Jahren werde der Umsatz sich verdoppeln, heißt es. Aber die Optimisten erhielten nun mit ihren Prognosen einen mächtigen Dämpfer. Am ersten langen Schnee-Wochenende in diesem Winter standen Tausende von Möchtegern-Skiläufern im Stau auf der Straße und nicht auf der Piste. Die Landstraßen in den Pyrenäen waren dem Ansturm nicht gewachsen. Nun verlangen die einen den Bau von Autobahnen, andere wollen dem Massentourismus Fesseln anlegen. "Die Besucher, die aus Barcelona kommen, müssen sich daheim täglich mit Verkehrsstaus herumplagen. Wenn sie in den Bergen dasselbe erleben müssen, werden sie bald nicht wiederkommen", meint Jaume Marimon, Präsident des Hotelierverbands. Dagegen warnt der Geograph Ignasi Aldoma (Universität Lerida): "Der Skisport bedeutet: heute Mammon, morgen Beton." Er plädiert für mehr Landschaftsschutz.

Die königliche Familie hat vom Rummel auf den Skipisten offenbar bereits genug. König Juan Carlos, Königin Sofia, Kronprinz Felipe und die Infantinnen Elena und Cristina verbrachten ihren Winterurlaub in den vergangenen Jahren immer in den Pyrenäen. Minister, Parteiführer und Firmenchefs taten es ihnen nach und liefen in Baqueira Beret Ski. Spötter bezeichneten den kleinen Pyrenäenort als "Spaniens Winterhauptstadt", weil sich dort zeitweise mehr Minister tummelten als in Madrid. Fotografen lauerten darauf, den König bei einem Sturz in den Schnee zu knipsen.

Offiziell sagte das Königshaus nicht, weshalb die Monarchenfamilie diesmal Lanzarote den Vorzug gab. Aber ein Hotelier in Baqueira Beret weiß: "Es ist kein Wunder, dass der König nicht kommt. Er wollte hier entspannen. Aber dann wurde er von Neugierigen und Politikern verfolgt, musste Hände schütteln und Treffen abhalten. Dies wurde ihm nun zu viel." Auf Lanzarote residiert die königliche Familie in einem Palast, der einmal dem verstorbenen König Hussein von Jordanien gehörte und den Blicken Neugieriger verschlossen ist.

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