Zeitung Heute : Die Witzbolde der Antike

Eine Zeitreise zu den Wurzeln der Spaßgesellschaft

Michael Zajonz

Kinder und Alte tun es, überall geht es, und die alten Griechen und Römer machten es sowieso. Lachen verbindet: Generationen, Länder, Zeiten. Lachen ist eine universelle Regung, Humor dagegen ein Kulturprodukt, so wandelbar wie jede Zivilisation. Wie man in der Antike lachte und wer überhaupt etwas zu lachen hatte, darüber informiert das Antikezentrum der Humboldt-Universität. In drei Vorträgen umkreisen die Philologen antike Komödiendichtung: eine kulturhistorische Zeitreise von Athen ins republikanische Rom.

Roland Baumgarten, Josefine Kitzbichler und Katja Lubitz klären über die Probleme deutscher Übersetzer mit der oft obszönen Sprache des Aristophanes (um 445 v. Chr. – um 385 v. Chr.) auf.Schon Goethe ließ Mephisto verkünden: „Zwar sind auch wir von Herzen unanständig, doch das Antike finde ich zu lebendig.“ Zu den moralisch befangenen Übersetzern des attischen Komödianten zählen Wilhelm von Humboldt, Erich Fried und Walter Jens. Vorgestellt werden auch – in dieser Frage weniger prüde – Übertragungen in die Massenmedien Film und Comic. Martin S. Harbsmeier und der Papyrologe Günter Poethke begeben sich auf die Spurensuche nach dem „verlorenen Dichter“ Menander (342 v. Chr. – 291 v. Chr.). Lange war der von Hellenen und Römern gleichermaßen geschätzte Dichter nur noch in lateinischen Übersetzungen und Bearbeitungen greifbar. Erst im 20. Jahrhundert entdeckte man in ägyptischen Papyri, die sich teils als Mumienkartonagen erhalten hatten, Fragmente von etwa 30 Komödien. Ein Abenteuer. Diana Bormann und Frank Wittchow nehmen sich die „verstörten Jünglinge“ und „verstörenden Frauen“ in der römisch-republikanischen Komödie „Aulularia“ vor. Ihr Autor Plautus (um 250 v. Chr. – um 184 v. Chr.) galt noch Molière als einer der größten Witzbolde der römischen Lach- und Spaßgesellschaft. Selbst Comedy-Serien im Privatfernsehen bedienen sich seiner uralten Geschichten: Junger Mann verliebt sich unstandesgemäß in ganz einfaches Mädchen, das sich zuletzt als reiche Erbin entpuppt. Wäre doch gelacht.

HU-Hauptgebäude, Vorlesungssaal 2097,

17.15 Uhr bis 0.15 Uhr.

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