Zeitung Heute : Die WM der Besserwisser

Von den Medien werden sie hofiert, von den Trainern und Spielern verabscheut: Wenn die Herren Kommentatoren Beckenbauer, Pele oder Maradona bei der WM wieder mal zur Analyse ansetzen, ist Ärger programmiert.Dem Fan daheim sprechen die ehemaligen Stars dann oft aus dem Herzen, die Aktiven hingegen fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.Kurios: "Kaiser" Franz und Co.sind heute im Nadelstreifenanzug genau jene Sorte Mensch, über die sie sich früher im Trikot immer aufgeregt haben - Besserwisser.

Siehe Pele."Zagallo muß Edmundo und Denilson neben Ronaldo stellen.Ich hätte mir mehr Inspiraton gewünscht.Wir haben gute Individualisten, aber ein schlecht organisiertes Team", polterte Brasiliens dreimaliger Weltmeister Pele in seiner Eigenschaft als Co-Kommentator in Richtung Nationalcoach Mario Zagallo.Mal übt er die Kritik im brasilianischen Sender TV Globo, mal mosert er im ZDF.Hauptsache, er kritisiert.

Siehe Beckenbauer."Ich sehe keine bessere Mannschaft als Deutschland", tönte der "Kaiser" in seiner Haus- und Hof-Zeitung Bild vor der WM.Bundestrainer Berti Vogts wird sich für den damit erzeugten zusätzlichen Druck bestimmt bedankt haben.Dann forderte der Weltmeister von 1974 auch noch schriftlich Lothar Matthäus als Libero - und wurde von Vogts erhört.

Siehe Maradona.Wegen Gewehrschüssen auf Journalisten gerade zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt, nutzte er die verhaßten Medien plötzlich, um seinem Erzfeind Daniel Passarella als Coach der argentinischen Nationalmannschaft eins auszuwischen.Und einmal dabei, legte Maradona nach: "Bei der WM laufen zu viele mit eckigen Füßen rum."

Ob im Fernsehen, via Radio oder in der Zeitung - die Medien transportieren die Botschaft ihrer Kommentatoren oder Kolumnisten weiter in die weite Welt des Fußballs.Sie wollen keine Platitüden hören, sondern sachdienliche Hinweise, und die möglichst unverblümt wiedergegeben.Dafür bezahlen sie schließlich den Stars von einst viel Geld. sid

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