Zeitung Heute : Die Zahl der Bankfilialen im Internet nimmt zu

ANDREAS BEUTHNER (HB)

Der Trend zur Kontoführung per Maus und Tastatur nimmt zu.Immer mehr Banken eröffnen eine Filiale im Web.Einen Bankschalter im Internet unterhalten inzwischen 65 der rund 300 Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Banken (www.bde.de).Die Zuschaltquote im Netz steigt, auch wenn das Angebot bei Regional- oder Kleinbanken noch nicht ausgereift ist.Dem Schmökern auf Web-Seiten oder der Kontoeröffnung per E-Mail steht nichts mehr im Wege.Home-Banking ist im Internet keine Ausnahme mehr.Ob Sparkassen-, Volks- und Raiffeisenbanken, Deutsche, Commerz- oder Dresdner Bank: Im Finanzsektor wird am Online-Angebot gefeilt.

Wer ein Konto bei einer Bank mit Internet-Zugang unterhält und seine Zugangsberechtigung kennt, kann mit einem netzfähigen Rechner von jedem Telefonanschluß aus seinen aktuellen Kontostand abrufen oder Geld überweisen.Er muß weder zum Bankschalter gehen, noch sich um Banköffnungszeiten kümmern.Alle Formalitäten werden im Online-Verfahren zwischen den Rechnern abgewickelt.Lediglich das Überweisungsformular ist geblieben, als Eingabemaske am Bildschirm.

So praktisch dieser Weg der Kontoführung ist, von den mehr als acht Millionen Internet-Surfern in Deutschland nimmt erst ein kleiner Kreis am Online-Banking teil.Knapp drei Prozent der 80 Mill.Girokonten werden in Deutschland laut einer Verbandsstatistik online geführt.Das Home-Banking konzentriert sich derzeit noch beim Anbieter T-Online.Der Anteil von Internetkunden bei den privaten Banken liegt erst bei 100 000 Teilnehmern.

Meist sind es Sicherheitsprobleme, die ein Online-Engagement im Internet verhindern.Die Finanzbranche hat diesen heiklen Punkt frühzeitig aufgegriffen und unternimmt große Anstrengungen, um Kommunikation und Zahlungsverkehr mit ihren Kunden über Datenleitungen zu schützen.Stand der Technik sind sogenannte Firewalls.Die Vereinsbank beispielsweise ( www.vereinsbank.de ) verwendet einen elektronischen Schutzwall, durch die der Datenaustausch zwischen dem Vereinsbankrechner und dem Internet immer wieder neu verschlüsselt wird.Stefan Hauska von Siemens Business Service (SBS) ist überzeugt, "daß die vorhandenen Sicherheitsmechanismen, wenn sie aktiviert sind, für Transaktionen mit den Banken im Internet ausreichen."

Ein anderes Handicap im Online-Banking ist die Beratung.Bei ausgeklügelten Finanzierungs- und Anlagemodellen ist auch in Zukunft der Gang zum Berater der Hausbank keineswegs überflüssig.Doch die Grenzen zwischen Information und Beratung sind fließend.Die Bank 24 ( www.bank.24 ) versteht sich als Beraterbank und offeriert ihre Dienste auf 700 Web-Seiten.Dort kann man Vorschläge zur Altersvorsorge begutachten oder den Kursverlauf von Optionsscheinen verfolgen.Wer Wertpapiere kaufen oder abstoßen will, kann den Auftrag per E-Mail ausführen.Im Kostenvergleich schneidet das Online-Banking gegenüber den klassischen Schalteraufträgen günstiger ab.Das Girokonto offerieren die meisten Direktbanken für zwölf Monate zum Nulltarif.

Standardisierte Kommunikationsregeln und Sicherungsmechanismen, die auch international gelten, sind das A und O im Online-Banking.Denn damit sind die Voraussetzungen für den globalen Auftritt im Internet erfüllt.Die Banken strecken ihre Fühler sowohl auf internationalen Märkten aus als auch in Richtung Vielreisender, die ihre Geldgeschäfte über mobile Computer abwickeln wollen.Nach Ansicht von SBS-Manager Hauska verliert die Filialbindung der Kunden durch den Internet-Boom an Bedeutung.Wer seine Geldgeschäfte ohne großen Zeitaufwand erledigen will, "für den kommt der Online-Dienst wie gerufen", sagt Hauska.Entscheidende Kriterien sind die Zuverlässigkeit der Systeme und die Online-Untersützung durch die Banken.Wer jetzt die Nase vorn hat, sichere sich in den nächsten Jahren einen entscheidenden Vorsprung.

Gerade Anleger von Aktien, Anleihen, Fonds oder Optionsscheinen favorisieren offenbar das Internet wegen des direkten Drahts zum Parkett.Discount-Broker erleben im Internet einen wahren Boom und schießen wie Pilze aus dem Boden.Die Web-Server der Broker erreichen fast alle wichtigen Börsen rund um den Globus.Käufe und Verkäufe werden während der Börsensitzung ausgeführt und umgehend bestätigt.Wertpapierhändler wie die Broker Consors ( www.consors.de ) oder die Direkt Anlagenbank ( www.diraba.de ) locken nicht nur mit günstigeren Gebühren als traditionelle Bankhäuser, sondern sorgen beim Online-Ordern auch für eine schnellere Abwicklung.

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