Zeitung Heute : Die Zaubernuss lässt der Winter kalt

In kahler Natur steht die Hamamelis in voller Blüte

Helga Panten (dpa)
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Die Zaubernuss fasziniert mit ihren leuchtenden goldgelben Blüten. Foto: PdM/dpa/tmntmn

Selbst für erfahrene Gartenbesitzer ist die Blüte der Zaubernuss ein alljährliches kleines Wunder. In Gelb, Orange oder kräftigem Rot öffnen sie sich und blühen selbst mit Raufreif bestäubt oder blitzen unterm Schnee hervor. Aber warum blüht die Zaubernuss – die botanisch Hamamelis heißt – mitten im Winter?    Die Antwort lautet: Im Winter gibt es fast keine Konkurrenz für die Pflanze. Für die Bestäubung sind an milden Tagen Schwebfliegen, Solitärbienen und Hummeln unterwegs. Aus dem Winterschlaf geweckt, haben sie sich auf die Zaubernuss eingestellt – mit großem Erfolg, wie die Samenfülle in jedem Herbst beweist.

Mit vier dünnen, nur 1,5 bis 2 Zentimeter langen Fäden, die aus einem purpurroten Kelch entspringen, stattet die Hamamelis ihre Blüten sparsam aus. Aber immer stehen mehrere zusammen. So fallen sie trotzdem auf in der sonst kahlen Natur. Bei den Gartensorten hat menschliche Züchtung für etwas längere Fäden und noch mehr Blütenköpfchen gesorgt. Minus zehn Grad halten die Blüten ohne weiteres aus. Wird es ihnen zu kalt, rollen sich die Blütenfädchen vorsorglich auf, um der Kälte nicht so viel Angriffsfläche zu bieten. Sobald das Thermometer wieder steigt, entrollen sie sich.

Wird es allerdings noch kälter, überleben auch Zaubernuss-Blüten nicht. Die Sträucher öffnen deshalb nie alle Knospen auf einmal. So erblüht der Strauch in der nächsten milden Wetterphase wieder. Die Blütezeit erstreckt sich daher von Januar bis März.

Weil sich im März schon wieder Konkurrenz regt, entlässt die Chinesische Zaubernuss (Hamamelis mollis) süßen Duft in die Luft.

Ihre japanische Schwester (Hamamelis japonica) verzichtet auf diesen Luxus. Aus der Kreuzung zwischen beiden sind fast alle Gartensorten hervorgegangen. Je nachdem, welcher Elternteil sich durchgesetzt hat, besitzen die einen Duft und die anderen nicht.

Die Sorte „Pallida“ hat besonders viel von der Chinesischen Zaubernuss mitbekommen. Ihre zitronengelben Blüten umgibt ein kräftiger Limonenduft. Mit der Leuchtkraft ihrer Blütenbüschel ist sie vielleicht die schönste unter den gelb blühenden Zaubernüssen.

Wer einen warmen Goldton bevorzugt, sollte zu „Barmstedt’s Gold“ greifen. Beide werden mit rund drei Metern Höhe und vier bis fünf Metern Breite recht stattlich. Für kleine Gärten eignet sich die schlankere „Arnold Promisè“ besser. Alle gelben Sorten kommen am besten vor dunklem Hintergrund zur Geltung.

Die Rotblühenden können auch gut vor einem hellen Hintergrund stehen. Nur rote Backsteinwände lassen die karminroten Blütenbüschel der zart duftenden „Diane“ stumpf erscheinen, und das warme Bronzerot von „Feuerzauber“ scheint zu verlöschen. Auch das schillernde Kupfer-Orange von „Jelena“ verträgt sich schlecht mit Backsteinrot.

Manchmal fällt die Freude an der Zaubernuss trotz richtiger Umgebung nur verhalten aus, weil sie nicht richtig blüht. Bei frisch gepflanzten Exemplaren ist die Erklärung dafür ganz einfach: Sie reagieren empfindlich auf das Umpflanzen. Es dauert zwei, manchmal drei Jahre bis sie richtig Fuß gefasst haben. Erst dann werden sie zum prächtigen Blütenstrauch. Nahezu unmöglich ist das Umpflanzen ausgewachsener Exemplare.

Der künftige Standort sollte daher sorgfältig überlegt werden. Dabei gilt es, bereits die endgültige Größe zu berücksichtigen. Denn durch Schnitt klein halten, wie das bei anderen Gehölzen möglich ist, geht nicht. Zaubernüsse sind kaum in der Lage, aus schlafenden Augen auszutreiben, daher verstümmelt ein Rückschnitt sie immer.

Für eine spärliche Blüte an gut eingewachsenen Exemplaren kann aber auch der vorhergehende Sommer schuld sein. War er zu heiß und zu trocken, hat die Zaubernuss nicht genug Feuchtigkeit bekommen, um reichlich Knospen zu entwickeln. Grundsätzlich brauchen Hamamelis humusreiche, lockere Böden mit leicht saurer bis neutraler Bodenreaktion und guter Bodenfeuchte – auf keinen Fall Nässe.

Am besten wird der Boden rund um die Zaubernuss immer mit einer dicken Mulchschicht abgedeckt, die das Austrocknen verhindert.

Dichten Boden und andere Wurzeln mögen sie nicht. Für die Bepflanzung der Flächen unter dem Strauch eignen sich daher nur oberflächlich wurzelnde Arten wie Waldsteinia, Vinca, niedrige Skimmien und Zwiebelblumen.

Hamamelis ist gut für die Haut. Schon bei den Indianern Nordamerikas stand die Zaubernuss hoch im Kurs. Sie nutzten den Sud aus der Virginischen Zaubernuss (Hamamelis virginiana) zur Wundheilung. Die Rinde enthält viele Gerbstoffe und ätherische Öle. Damit stillt sie Blutungen, wirkt zusammenziehend und entzündungshemmend. Sie heilt kleine Wunden, verringert die Schmerzen von Krampfadern, lindert Juckreiz, Hautschuppung, schmerzhafte Hautrisse und anderes mehr. Helga Panten (dpa)

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