Zeitung Heute : Die Zitadelle bröckelt

Der Tagesspiegel

Spandau. Die Spandauer Zitadelle bröckelt. An der Spitze der Bastion Königin sind erste Steine in den Burggraben gestürzt, der Verbindungsbau zwischen Torhaus und Palast ist eingerüstet. Hier hat im Winter gefrorenes Wasser Steine aus der Fassade gesprengt. Noch keine gravierenden Schäden – doch erste Zeichen dafür, welche Probleme drohen, nachdem der Senat im Zuge der Sparmaßnahmen die weitere Sanierung der historischen Festung gestoppt hat, so Stadtrat Gerhard Hanke (CDU) im Bezirks- Kulturausschuss.

An der Bastion haben vermutlich Baumwurzeln die Außenseite der meterdicken Mauern morsch werden lassen. Schüler des Knobelsdorff-Oberstufenzentrums für Bautechnik entfernen jetzt die losen Steine, danach sollen Statiker untersuchen, was zu tun ist. Noch besteht keine Einsturzgefahr, doch seien die Schäden erste Anzeichen einer Bedrohung der Bausubstanz, auf die reagiert werden müsse, sagte der Stadtrat. Aus den bewilligten Unterhaltsmitteln lassen sich nur die gröbsten Schäden beheben. „Die Zuweisungen reichen hinten und vorn nicht“, betonte Hanke. „In den nächsten Jahren kommen wir in große Schwierigkeiten.“ So ist man für die Hilfe der Bauschüler, die auf der Bastion bereits das alte Pulvermagazin rekonstruiert haben, besonders dankbar.

Das letzte Sanierungsprojekt, das noch beendet wird, sind die italienischen Höfe an der Bastion Brandenburg. Im so genannten Kavalier aus dem 16. Jahrhundert entstehen drei Festsäle, von denen der größte 500 Personen Platz bieten wird, und Nebenräume für behindertengerechte Sanitäranlagen, Küche und Künstlergarderobe. Noch gleicht alles einer Baustelle, doch bereits Ende Juni soll hier ein großer Festball über das Parkett gehen.

Die rustikalen Katakomben sollen für kommerzielle Veranstaltungen, Kongresse und Staatsempfänge vermarktet werden. „Wir wollen richtig Geld damit verdienen“, sagte der Stadtrat. Die Einnahmen kommen allerdings nicht in die Bezirks-, sondern in die Landeskasse. Hanke: „Mir wäre es lieber, wir könnten das Geld für die weitere Sanierung verwenden“.

So kommt auch die Fassadenerneuerung von Haus 6, das dem Zitadellen-Besucher beim Betreten der Festung hinter dem Innenhof gleich ins Auge fällt, nur zögerlich voran. Und an eine Instandsetzung des alten Magazins unterhalb der Ostkurtine ist überhaupt nicht zu denken. du-

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