Zeitung Heute : Die Zukunft des Internet heißt Abilene

Die Zukunft des Internet im nächsten Jahrhundert hat am Mittwoch in den USA begonnen.Unter dem Projektnamen Abilene startete "Internet2" - ein Hochleistungsnetzwerk, das zunächst 37 Universitäten, Forschungseinrichtungen und High-Tech-Unternehmen verbindet.Experten erwarten von dem vorerst nur einem exklusiven Nutzerkreis vorbehaltenen Netzwerk weitreichende Veränderungen der Kommunikations- und Lebensbedingungen in den nächsten Jahren.

Das Rückgrat von "Internet2" ist ein 10 000 Meilen langes Glasfaserkabelnetz von Qwest Communications, das die USA von West nach Ost überspannt.Daten, Sprache und Bilder werden in diesem Kabel mit 2,4 Gigabit transportiert, das ist 45 000 Mal schneller als ein herkömmliches 56K-Modem.Überlastete Server, Datenstaus und lange Wartezeiten beim Herunterladen von Ton- und Videodokumenten gehören hier der Vergangenheit an: "Eine Infobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung", schrieb die "Washington Post" über das Projekt.Sein Name geht beziehungsreich auf den Eisenbahnknotenpunkt Abilene in Kansas zurück, der für die Erschließung des Kontinents im 19.Jahrhundert von großer Bedeutung war.Die Abilene-Version für das 21.Jahrhundert soll die Kommunikation nach der ersten Internetrevolution ein weiteres Mal auf ein neues Niveau heben.

Zunächst ist das Netz für einen kleinen Kreis hochklassiger Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen reserviert.Medizinische Fernoperationen, Videokonferenzen, virtueller Zugang zu Projekten, werden die Hauptnutzungen sein.Das ist in gewisser Weise ein Rückkehr zu den Ursprüngen des Internet.Denn lange vor seiner kommerziellen Entdeckung diente das Netz vor allem Universitäten in den USA als schnelles und billiges Kommunikationssystem.

Eine ähnliche profitable Entwicklung wie bei der ersten Generation des Internets hin zur breiten Anwendung in nahezu allen Bereichen des menschlichen Lebens erwarten die Sponsoren, vor allem die Hightechunternehmen Qwest, Cisco Systems und Nortel Networks, auch von "Internet2".Sie bringen fast 500 Millionen Dollar für die ersten drei Jahre auf und leiten damit auch eine neue Phase intensiver Zusammenarbeit zwischen Industrie und Wissenschaft in den USA ein.Die Operationszentrale für das Projekt liegt bei der staatlichen Universität von Indiana.

Die Projektleiter bei der gemeinsamen Dachgesellschaft University Corporation for Advanced Internet Development (UCAID) träumen indes schon von der neuen, gestochen scharfen, dreidimensionalen virtuellen Abilene-Welt: "Vielleicht werden wir einmal Familientreffen haben, bei denen niemand mehr sein Wohnzimmer verlassen muß", überlegt UCAID-Präsident Douglas Van Houweling.Stephen Wolff von Cisco findet das gar nicht so erstrebenswert und hat eine andere Phantasie: "Du gibst einen Befehl auf Deiner Tastatur ein, leihst damit ein Video aus und kannst es sofort auf Deinem Bildschirm ansehen."

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