Zeitung Heute : Die Zwei

Aufgeschrieben von Klaus Rocca

Gabor Kiraly:

Natürlich tut es weh, so lange tatenlos mit ansehen zu müssen, wie ein anderer dort spielt, wo man selbst spielen möchte. Besonders schlimm ist es, wenn ich die Spiele im Fernsehen verfolge. Auf der Reservebank fühle ich mich weiter mehr dazugehörig.

Christian Fiedler hat seine Sache sehr gut gemacht. Er hat eine sehr professionelle Berufsauffassung. Ich habe ihm auch nach den Spielen gratuliert. Gesprochen haben wir aber nicht miteinander. Da gab es auch nicht viel zu bereden. Dass er nicht fehlerfrei war, ist normal. Ich mache auch meine Fehler. Die, besonders mein gelegentlicher Leichtsinn, haben mir ja auch schon viel Kritik eingebracht.

Natürlich wäre ich so schnell wie möglich wieder zwischen die Pfosten gegangen. Aber meine Gesundheit ist mir wichtiger. Da darf ich keine Dummheit machen. Unser Mannschaftsarzt und die Physiotherapeuten haben mir sehr dabei geholfen.

Was mir in dieser bitteren Zeit auch Kraft gegeben hat, war der Beistand durch die anderen Teamkollegen. Das geschah sowohl bei der Rehabilitation in der Klinik, wo sich auch andere von uns gequält haben, als auch später, als ich wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen bin. Da hatte ich keine Zweifel, dass man mich wieder akzeptieren würde, wenn ich erst gesund bin. Im Übrigen war ich ja auch gar nicht so schwer verletzt. Ein Beinbruch oder ein Kreuzbandriss hätten mich erheblich weiter zurückgeworfen. So war im Endeffekt alles nur halb so schlimm.

Christian Fiedler und ich, wir haben ein sehr berufsbezogenes Verhältnis. Von Freundschaft kann da keine Rede sein. Wir sind halt Kollegen. Probleme habe ich nie mit ihm gehabt. Ich schätze auch an ihm, dass er mir gegenüber immer, bei aller Konkurrenz, fair ist. Meine Freunde sind aber in Ungarn.

In dieser Zeit hat mir sehr geholfen, dass der Trainer öffentlich und mir gegenüber immer wieder gesagt hat, dass ich, Fitness vorausgesetzt, seine Nummer 1 im Tor bin. Dieses Vertrauen war enorm wichtig.

Aufgeschrieben von Klaus Rocca

Christian Fiedler:

Die Situation für uns Torhüter ist schon sehr knifflig. Es gibt immer nur einen Platz für zwei, drei Bewerber, und unter normalen Umständen hast du als Ersatzmann kaum eine Chance. Für Feldspieler ist es einfacher: Die werden eingewechselt, schießen ein Tor und haben sich wieder für ein paar Wochen in die Mannschaft gespielt. Wir Ersatztorhüter bekommen nur dann die Möglichkeit zu spielen, wenn sich unser Konkurrent verletzt, so wie jetzt Gabor. Die Kritiken für mich waren in dieser Zeit recht gut, trotzdem soll unser Trainer Jürgen Röber gesagt haben, dass Gabor wieder spielt, wenn er fit ist. Wenn es so kommt, muss ich das halt akzeptieren.

Gabor und ich, wir respektieren unsere jeweilige sportliche Leistung. Freunde sind wir nicht. Seit vier Jahren spielen wir gemeinsam bei Hertha, aber privat haben wir noch nie etwas zusammen unternommen. Das hat nichts mit unserer Konkurrenzsituation zu tun. Wir sind einfach vom Typ her völlig unterschiedlich. Ich bin eher ruhig.

Vor vier Jahren, nach einem 0:4 in Rostock, habe ich meinen Stammplatz an Gabor verloren. Am Abend vor dem nächsten Spiel ist Jürgen Röber auf mein Zimmer gekommen und hat mir seine Entscheidung mitgeteilt. Mir kam es so vor, als ob ich ein bisschen wie der Sündenbock für unsere missliche Situation hingestellt wurde.

Seitdem bin ich - von ein paar Spielen abgesehen, in denen Gabor verletzt war - nur noch Ersatzmann. Das ist nicht einfach, aber was einen immer wieder antreibt, ist der Glaube, irgendwann doch spielen zu können. Am Anfang der Saison hat Gabor ein paar schwächere Spiele gemacht. Natürlich registriert man, ob dem Kollegen Fehler unterlaufen. Welche Schlüsse der Trainer dann daraus zieht - das ist eine Sache, die ich nicht beeinflussen kann. In Bremen hat Frank Rost einmal versucht, über die Medien seinen Konkurrenten Oliver Reck aus dem Tor zu vertreiben. So etwas ist nicht meine Art. Und vom Verein gäbe es in einer solchen Situation sicher auch gleich eine Retourkutsche.

Aufgeschrieben von Stefan Hermanns .

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