Zeitung Heute : Diego Armando Maradona

ARMIN LEHMANN

BERLIN/BUENOS AIRES .Der Fußballgott hinter Gittern? Natürlich nicht! Diego Armando Maradona ist zwar in Buenos Aires zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden, weil er vor vier Jahren plötzlich meinte, sich auf seinem Grundstück hinter seinem Auto verschanzen und auf vor dem Haus lauernde Journalisten mit Platzpatronen feuern zu müssen.Aber die Richter gaben Maradona Bewährung.Zu Recht! Jedenfalls sehen das die Maradona-Fans in argentinischen Landen so.Hier im fernen Europa mag das Urteil grotesk anmuten, denn wenn jemand mit einem Gewehr auf Menschen schießt, dann gehört so jemand eigentlich doch eingesperrt.

Nun, die Fernsehbilder des damaligen Geschehens, die man normalerweise zu Gesicht bekommt, geben allerdings nur die halbe Wahrheit wieder.Einem englischen Dokumentarfilmer, der die bisher wohl beste Dokumentation über das Leben von Maradona gedreht hat, ist es zu verdanken, daß man sich die durchaus amüsante und komödienhafte Belagerung in voller Länge anschauen kann.Tagelang hatten die Journalisten vor dem Haus ausgeharrt, wollten Maradona zum neuerlichen Doping-Skandal befragen, den Diego während der WM in den USA heraufbeschworen hatte.Zwei bis dreimal, so ist dem Video zu entnehmen, geht Maradona mit seiner Tochter, in Badelatschen und kurzen Boxershorts, an die hauseigene Toreinfahrt.Er gestikuliert wild, redet mit den Journalisten, ruft ihnen mehrmals zu, sie sollen verschwinden.

Dann kehrt er um, will wieder ins Haus, überlegt es sich, dreht sich erneut zu den Kameraleuten und Reportern um, wieder kurze Diskussionen.Die Journalisten-Meute brüllt: "Diego, Diego - nur ein paar Sätze." Warum, wieso, weshalb? Viele Fragen, bohrend und unangenehm.Maradona antwortet nicht mehr.Ihm wird es zuviel.Dann folgt die Szene mit der Schrotflinte.

Zu verzeihen sind diese Ausbrüche nicht - hierzulande.In Argentinien aber verzeiht man Maradona alles.Seine Drogensucht, seine teils mißglückten Comebacks, seine Egozentrik, seine Schimpftiraden, seine Freundschaft zu Fidel Castro.Und diese Schüsse auf Journalisten.Und weil das so ist, konnten die argentinischen Richter wohl auch gar nicht anders urteilen als mit Bewährung.Jetzt fährt Diego doch noch zur Weltmeisterschaft nach Frankreich.Wenigstens als Kommentator.Da unterliegt man keiner Dopingkontrolle.

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