Zeitung Heute : Dieter Glietsch wird neuer Polizeipräsident

Der Tagesspiegel

Nun ist es amtlich. Nach dem Willen des Berliner Senates soll der gegenwärtige Inspekteur der Polizei in Nordrhein-Westfalen, Dieter Glietsch, neuer Polizeipräsident in der Hauptstadt werden. Dies verkündete Innensenator Ehrhart Körting (SPD) gestern mittag im Anschluss an die Senatssitzung. Das Abgeordnetenhaus soll Glietsch Mitte Mai wählen. Der derzeitige Polizeivizepräsident Gerd Neubeck ist damit aus dem Rennen. Er wurde bisher als Favorit gehandelt.

Dieter Glietsch wird im nächsten Monat 55 Jahre alt. Er trat 1964 in die nordrhein-westfälische Polizei ein. Nach der Ausbildung war er zunächst für drei Jahre Streifenbeamter in Köln bevor er dann bis 1978 verschiedene andere Aufgaben bei der Kölner Polizei übernahm. Danach wurde Glietsch zur Ausbildung für den höheren Polizeidienst an die Polizeiführungsakademie abgeordnet und übernahm bis 1985 diverse Führungsaufgaben bei der Polizei in Köln. 1991 wechselte Dieter Glietsch in das Einsatzreferat beim Düsseldorfer Innenministerium. Neben der Planung von polizeilichen Großeinsätzen war er dort unter anderem auch an der Reform der nordrhein-westfälischen Kreispolizeibehörden und der Neuorganisation derBereitschaftspolizei beteiligt.

Seit dem Jahre 2000 ist Glietsch als Polizeiinspekteur der höchste Vollzugsbeamte des Landes Nordrhein-Westfalen und damit für rund 42.000 Polizeibeamte zuständig.

Gerade diese lange Berufserfahrung und die hohe Fachkompetenz seien dafür ausschlaggebend gewesen, Dieter Glietsch den Vorzug vor seinem Konkurrenten, dem Berliner Polizeivizepräsidenten Gerd Neubeck zu geben, sagte Körting.

In seinen dienstlichen Beurteilungen habe Glietsch nur Bestnoten vorzuweisen und sei so „noch einen Tick besser als Neubeck“, meinte der Innensenator. Er halte Glietsch für einen „großen Gewinn für die Stadt". Als Grund für seine Bewerbung nannte Dieter Glietsch selbst, die „große Herausforderung“ die das Amt des Polizeipräsidenten in Berlin bilde. Berlin sei eine Metropole mit Sicherheitsproblemen, die andere Großstädte nicht hätten. „Ich glaube, es gibt keine schwierigere polizeiliche Aufgabe und deshalb ist es reizvoll für mich“, erklärte der künftige Polizeipräsident. Gestern nahm Glietsch auch zu dem Verdacht Stellung, die Wahl auf ihn sei aufgrund seines SPD-Parteibuches gefallen. Er sei mit seiner rund 40-Jährigen SPD-Mitgliedschaft sogar zwei Jahre länger Sozialdemokrat als Polizist. In dieser Zeit sei er „nie nach dem Parteibuch gefragt worden; erst seit letzter Woche hat sich das geändert". Der Vorwurf war aufgekommen, nachdem bekannt geworden war, dass die Berliner SPD-Spitze dem parteilosen Neubeck politisch nicht über den Weg traute.

Glietsch sprach sich gestern entschieden für eine polizeiliche Deeskalationsstrategie aus. Man müsse „mit jedem sprechen, der gesprächsbereit sei“, sagte er, doch die Polizei müsse „auch in der Lage sein, auf Gewalt klar zu reagieren". Otto Diederichs

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