DIE WEINE DES MONATS : DIE WEINE DES MONATS

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2010 Rhea Duoro Branco und 2009 Tessellae (r.). Foto: Kai-Uwe Heinrich
2010 Rhea Duoro Branco und 2009 Tessellae (r.). Foto: Kai-Uwe Heinrich

PORTUGAL

Substanzieller Weißwein vom Duoro-Ufer

Portugal – das ist für viele Weinfreunde immer noch das Land von Portwein und belanglosem Vinho Verde; allmählich scheint sich immerhin auch die Qualität der meist neuen Rotweine von drunten herumzusprechen. Aber trockener Weißwein mit Substanz? Es gibt ihn durchaus, wie unser 2010 Rhea Duoro Branco zeigt. Er stammt aus der Kellerei Quinta da Faisca im Duoro-Tal, die neben roten und Weißen auch Portwein und süßen Moscatel erzeugt. Goncalo Sousa Lopes und Rui Walter Cunha, die den Betrieb 2004 übernommen haben, vereinen dort traditionelle und moderne önologische Verfahren. Zum Teil werden die Trauben noch schonend mit den Füßen zertreten, aber es gibt auch gekühlte Stahltanks, aus denen dieser Weißwein kommt.

Er stammt aus den regionalen Rebsorten Gouveio, Rabigato, und Fernao Pires sowie aus Moscatel und Malvasia fina. Durch Ganztraubenpressung ohne vorheriges Abbeeren erzielen die Weinmacher einen hohen Phenolgehalt und betonte Fruchtaromen. Auch die anschließende Lagerung in gekühltem Edelstahl dient diesem Ziel. Das Ergebnis ist ein Wein, der trotz seines stabilen Alkoholrückgrats von 13,5 % leicht und elegant wirkt und mit verschwenderischen Fruchtaromen punktet; am Gaumen bietet er Zitrus- und Ananas-Töne, aber auch den typischen Muskathauch des Moscatel mit Anklängen von Kräutern wie Basilikum. Eine gute, sehr eigenständige Alternative zu den langsam in Mode kommenden neuen Weißen aus Spanien. Die Flasche kostet 7,90 Euro in der Weingalerie, Pestalozzistr.55 in Charlottenburg.

LANGUEDOC-ROUSSILLON

Eleganter roter Carignan aus

steiler Lage

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Winzer des südfranzösischen Languedoc weniger durch gute Weine als durch drastische Aktionen auffielen – manchmal kippten sie zum Protest gegen den Preisverfall ihren frisch gepressten Most auf die Autobahn. Damals verteilte die EU Ausreißprämien, um die dort üblichen belanglosen Massenweine loszuwerden. Es waren zugereiste Quereinsteiger, aber auch Nachwuchswinzer aus der Gegend, die aus dieser Politik die richtigen Schlüsse zogen – heute gilt das Languedoc-Roussillon als dynamischste Weinregion Frankreichs, zumindest, was die Rotweine betrifft. Jean-Marc Lafage ist einer dieser Winzer. Er hat zusammen mit seiner Frau Eliane, ebenfalls Önologin, in der Umbruchzeit Erfahrungen auf der ganzen Welt gesammelt, die nun in seine Arbeit einfließen – die Weine entstehen in Zusammenarbeit mit seinem Vater Guy, der das gut am Rande von Perpignan bereits in sechster Generation betreibt.

Die Trauben für den 2009 Tessellae (lat.: Mosaik) der Domaine Lafage stammen von einem steilen Weinberg im Herzen des Roussillon, der mit der regionaltypischen Rebsorte Carignan bepflanzt ist. Er liegt relativ hoch, was auf geringe Erträge hinausläuft, den Trauben in der heißen Region aber eine längere Wachstumsphase sichert und die Ausbildung von plumpen „marmeladigen“ Aromen verhindert. Folglich verbindet der Wein ein üppiges Aromenspektrum – getrockneteKräuter, schwarze Johannisbeeren, Brombeeren, ein Hauch von Vanille aus dem Eichenholzfass – mit trinkanimierender Eleganz und gut balancierter Fülle am Gaumen. Der Preis darf als außerordentlich angemessen gelten: Die Flasche kostet 8,90 Euro in Abbés Weinladen, Ringstraße 10 in Lichterfelde,sowie bei Nix wie Wein, Kopenhagener Str. 6 in Prenzlauer Berg. Bernd Matthies

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