Zeitung Heute : Digitale Kameras klicken sich in Fahrt

PETER ZSCHUNKE

Fast jede Woche ein neues Modell / Handel rechnet mit sinkenden PreisenVON PETER ZSCHUNKEEin Druck auf den Auslöser, und Sekunden später ist das Bild von der Oma fertig: Der technische Umbruch in der Fotografie wird in den kommenden Jahren zu einer gigantischen Bilderflut führen.Digitale Kameras halten ihre Aufnahmen nicht auf teurem Fotopapier oder Dias fest, sondern in Bits und Bytes.Nach nicht ganz zufriedenstellenden Verkaufszahlen im vergangenen Jahr setzt der Handel 1998 auf bessere Geräte und sinkende Preise. "Es vergeht kaum eine Woche, in der es kein neues Modell gibt", sagt der Produktmanager für digitale Kameras beim Fotofilialisten Porst, Friedrich Frank.Bislang aber seien die privaten Verbraucher noch zurückhaltend.Statt der optimistischen Prognosen von 100 000 verkauften Kameras in Deutschland seien im vergangenen Jahr schätzungsweise 70 000 bis 80 000 Geräte verkauft wurden.Für dieses Jahr erwartet der Vertriebsleiter für digitale Kameras bei Casio Deutschland, Ricky Stewart, eine Verdoppelung auf etwa 160 000 Stück. Fotografen haben mit einer digitalen Kamera nahezu unendliche Möglichkeiten, das Bild nach eigenen Wünschen zu gestalten.Zwar ist der Speicherplatz nicht unbegrenzt, doch kann das aufgenommene Foto bei Nichtgefallen sofort wieder gelöscht werden.Vor allem aber kann das Bild am Computer mit einfachen Bildbearbeitungsprogrammen so lange bearbeitet werden, bis der Ausschnitt stimmt und bis das Foto scharf genug ist, den optimalen Kontrast hat und die Farbdarstellung überzeugt.Die Festplatte bietet genügend Platz für das digitale Fotoarchiv.Und spezielle Drucker ermöglichen auch den vertrauten Ausdruck auf Papier. Anspruchsvolle Fotofreunde aber weisen auf die noch bestehenden Nachteile hin."Digitale Fotos haben grobe Pixel und falsche Farben", schreibt Johannes Leckebusch aus Bayrischzell auf seiner Homepage und fährt fort: "Digitale Kameras sind primitiv, haben nur Fixfokusobjektive im leichten Weitwinkelbereich, nur einen billigen Sucher oder gar keinen ­ und statt dessen nur ein briefmarkengroßes LCD, auf dem man an einem sonnigen Tag nichts erkennen kann." Nach dem Test eines Geräts der gehobeneren Preisklasse aber räumt der Fotograf ein, daß die Pixeleffekte, also die Darstellung in einzelnen Bildpunkten "erst bei wesentlich stärkeren Vergrößerungen als auf A4 klar erkennbar" werden. Ein normaler Abzug vom Kleinbildfilm hat etwa 20 Millionen Pixel, bei einem digitalen Bild mit der herkömmlichen Auflösung von 640 mal 480 Pixel sind es gerade mal 307 200 Bildpunkte.Auf diese Kategorie digitaler Kameras entfallen nach Einschätzung von Stewart 70 Prozent aller verkauften Geräte."Wir werden in diesem Jahr aber auch mehr und mehr Kameras mit einer Million Pixel sehen", fügt der Casio-Vertriebsleiter hinzu. Inzwischen gibt es die preiswertesten Markengeräte bereits ab rund 400 Mark, so etwa die handliche Schnappschußkamera Kodak DC20, die auf ihrer 1-MB-Speicherkarte acht Bilder mit einer Auflösung von 493 mal 373 Pixel oder 16 Bilder mit 320 mal 240 Pixel speichern kann.Am oberen Ende der Einsteigerklasse befindet sich die Casio QV 300, die Bilder mit einer Auflösung von 640 mal 480 Pixel schießt ­ der Preis liegt im Versandhandel bei rund 1000 Mark.Den Übergang zu den Geräten der gehobenen Klasse markiert mit rund 2000 Mark die Olympus C-800L, die sich mit einer Auflösung von 1024 mal 768 Pixel bereits der Schwelle von einer Million Pixel nähert, ein Autofokus-Objektiv hat und einen Speicher von 6 MB mit Platz für maximal 120 Bilder.Olympus, Kodak und Casio sind auch die drei Anbieter mit den größten Marktanteilen in Deutschland. Glossar: Digitale KameraBei einer digitalen Kamera gelangt das von einem Bildobjekt ausgehende Licht nicht auf Fotopapier, sondern auf einen elektronischen Sensor.Dieses sogenannte CCD-Element (Charged Coupled Device) besteht aus lichtempfindlichen Halbleiterzellen, in denen je nach Art und Stärke des einfallenden Lichts eine bestimmte Spannung erzeugt wird.Diese Meßwerte werden in digitale Daten umgewandelt: Zum Beispiel wird festgelegt, daß alle Spannungswerte zwischen 0,1 und 0,15 Volt einem eindeutigen digitalen Wert entsprechen und bei der Ausgabe auf einen Bildschirm als bestimmter Grauwert interpretiert werden sollen. Bei Farbkameras wird das einfallende Licht über Rot-, Grün- und Blaufilter in seine anteiligen Farbwerte zerlegt und ebenfalls mit entsprechenden Zahlenwerten notiert.Im Endergebnis entsteht eine digitale Bilddatei, bei der für jeden Bildpunkt (Pixel) mehrere Helligkeitswerte festgehalten sind.Je mehr Pixel eine Bilddatei auf gleicher Fläche aufweist, desto höher ist seine Auflösung und damit die Realitätsnähe des elektronischen Bildes. Zweites Qualitätsmerkmal ist die Farbtiefe.Das ist die Anzahl der verschiedenen Farben, die einem Bildpunkt zugeordnet werden können.Für die Darstellung von 256 Farben sind acht digitale Zeichen (Bit) pro Pixel erforderlich.Eine Farbtiefe von 16 Bit ermöglicht die Darstellung von 65 536 Farben, was als "High Color" bezeichnet wird.Eine nahezu fotorealistische Wiedergabe ist erst bei 16,7 Millionen Farben ("True Color") möglich, wozu je Bildpunkt 24 Bit benötigt werden. Das Objektiv einer digitalen Kamera gibt sein Bild zunächst an einen kleinen eingebauten Flüssigkristall-Bildschirm (LCD) weiter.Soll dieses Sucherbild festgehalten werden, speichert es die Kamera auf einem Datenträger.Häufig werden dafür sogenannte Compact-Flash-Karten eingesetzt, die dem PCMCIA-Standard folgen.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben