DIGITALE KUNSTRyoji Ikeda : Auf der Schallwelle surfen

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Beim MaerzMusik-Festival 2011 stand der japanische Elektrokomponist und bildende Künstler Ryoji Ikeda auf einer DJ-Kanzel im ehemaligen Kraftwerk in Mitte und verwirrte dem Publikum die Sinne. Zum extrem reduzierten Sound mit schrillen und zischenden Geräuschen ratterten schwarz-weiße Barcodes und Muster über eine Leinwand, derart schnell, dass der Verstand kapitulierte. In seiner Installation „The Transfinite“ rasen Zeichenkolonnen nicht nur über Wände, sondern auch über den Boden, so dass der Besucher in einen unendlichen Datenraum eintritt. Ryoji Ikeda zählt zu den innovativsten Komponisten unserer Zeit, sein Werk geht jedoch weit über das Musikalische hinaus. „Ich komponiere mit Daten“, sagt er selbst.

Es ist dem Verein „Freunde guter Musik Berlin“, der seit 1999 Künstler zwischen Musik und bildender Kunst einlädt, zu verdanken, dass Ryoji Ikeda jetzt erneut in Berlin zu Gast ist. Im Hamburger Bahnhof findet seine erste Einzelausstellung in Deutschland statt. Bei der Installation „db“ (Abkürzung für dezibel) experimentiert Ikeda mit rohen Daten, die er hörbar und körperlich erlebbar macht. Der Besucher kann zwei komplementär angelegte Raum-Zeit-Klang-Kammern im Ost- und im Westflügel des Hamburger Bahnhofs betreten. Technisch gesehen wird ein schwarzer Lautsprecher eine reine Schallwelle in einen weißen Raum abgeben. Ein lichtstarker Scheinwerfer wird einen weißen Lichtstrahl in einen schwarzen Raum projizieren. Gefühlt allerdings ist das wie Surfen auf einer Schallwelle, wie ein intergalaktischer Ausflug in den digitalen Raum. Rückkehr ungewiss. Birgit Rieger

Hamburger Bahnhof, Sa 28.1. bis Mo 9.4., Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 11-20 Uhr, So 11-18 Uhr, 12/6 €

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