Zeitung Heute : Direkter Draht zur Kanzlerin

Die relevantec GmbH bietet Software zur Kommunikation von vielen Menschen.

Marion Kuka

Fragen Sie Frau Merkel: Auf der Website direktzurkanzlerin.de hat sie ein offenes Ohr für Bürgerinnen und Bürger. Damit dennoch Zeit zum Regieren bleibt, bedient sie sich der sogenannten Many-to-One-Kommunikation: Dabei kann jeder seine Fragen an Frau Merkel oder sein Anliegen auf die Internetseite stellen, die anderen Nutzer bewerten dann, welches Thema sie für wichtig halten. Regelmäßig beantwortet im Auftrag der Kanzlerin das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung die Beiträge mit den meisten Stimmen.

Betriebswirt Caveh Zonooz, Wirtschaftsinformatiker Alexander Puschkin und Informatiker Jörg Schiller entwickelten Idee und Software von „direktzu“ im Jahr 2006 und stellten sie ins Netz. Innerhalb weniger Tage gab es dort Tausende von Fragen an die Bundeskanzlerin. Das Bundespresseamt erklärte sich daraufhin bereit, den neuen „Kanal zum Bürger“ für sich zu nutzen. Mit Angela Merkel war der erste und prominenteste Kunde in Deutschland gewonnen. Weitere Politiker folgten dem Beispiel. Barack Obama und Hillary Clinton nutzten „direktzu“ im Kampf um die Kandidatur zur US-Präsidentschaftswahl. „Die Unterstützung der Gründungsförderung war damals enorm hilfreich für uns“, erinnern sich die Gründer. Als die Büroräume im Gründerhaus auf dem Campus zu klein wurden, zog das wachsende Unternehmen nach Berlin-Kreuzberg. Dort erwirtschaftet die relevantec GmbH mit 17 Mitarbeitern derzeit siebenstellige Jahresumsätze. Den größeren Teil ihres Erfolgs verdanken die Gründer aber nicht den Politikern. Die Manager großer DAX-Unternehmen haben die Plattform für sich entdeckt, um mit ihren Mitarbeitern aller Hierarchiestufen zu kommunizieren. So nutzten beispielsweise René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, und Eckard Cordes, Vorstandsvorsitzender der METRO Group, „direktzu“ schon kurz nach der Markteinführung. Im US-Geschäft kooperiert das Unternehmen mit Gerhard Schulmeyer, der als CEO einst Siemens USA leitete und heute als Professor an der MIT Sloan School of Management lehrt. „Durch die Erfahrungen mit unseren Kunden und die Unterstützung von Investoren haben wir unser Angebot stetig weiterentwickelt“, sagt Caveh Zonooz. „Heute bieten wir strategische Management-Instrumente für die Organisationsentwicklung.“

Mit dem neuesten Produkt von relevantec kann eine große Anzahl kurzer, qualitativer Rückmeldungen erfasst und analysiert werden: iBack.to sammelt via Smartphone-Anwendung das Feedback von Kunden zu einem Produkt oder einer Dienstleistung in Echtzeit und wertet es mithilfe semantischer Technologien aus. Mit der Entwicklung dieses Feedback-Kanals für Konsumenten wurde ein einfach zu bedienendes, schnelles Marktforschungsinstrument geschaffen, das Anregungen und Ideen wie auch Beschwerden und Mängelanzeigen von Anwendern spiegelt. Anders als bei einmaligen statistischen Erhebungen erlaubt diese permanente Beobachtung des Marktes ein schnelleres Erkennen von Trends. Ein weiterer Vorteil für Manager: Öffentliche Beschwerden im Internet werden auf einen nichtöffentlichen Kanal umgeleitet, der direkt zu den Entscheidern gelangen kann. Marion Kuka

Im Internet

www.direktzu.com

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