Zeitung Heute : Doch kein Skandal

NK

Die Ausstellung von Christo und Jeann-Claude wird nur verschobenNKWas zuerst nach einem "Kulturskandal" (Peter Raue) aussah, hat doch zu einer einvernehmlichen Lösung mit den Künstlern gefunden: Die Ausstellung von Christo und Jeanne-Claude findet zwar nicht 1998, wie ursprünglich geplant, sondern drei Jahre später im Martin-Gropius-Bau statt.Die Ausstellung war auf Anregung des Regierenden Bürgermeisters im Anschluß an die Reichtagsverhüllung den beiden New Yorker Künstlern angeboten worden, kann aber nun nicht zum gewünschten Zeitpunkt über die Bühne gehen, da der Gropius-Bau mit Mitteln der Hauptstadtkulturförderung zuvor noch "zu einem repräsentativen Ausstellungshaus" ausgebaut wird. Ins Geschiebe ist auch die Ausstellung der Sammlung Grothe gekommen (Träger: Berlinische Galerie), die nun ab November 1999 im Anschluß an die Jubiläumsschau zum fünfzigjährigen Bestehen der Bundesrepublik stattfinden wird.Ein weiteres Opfer der kurzfristig eingelegten Ausstellungspause für den Gropius-Bau wurde auch die Retrospektive des Hannah-Höch-Preisträger Wolf Vostell (Träger: ebenfalls Berlinische Galerie), die nun für die Zeit von März bis Juli 2001 angesetzt ist. Alexander Tolnay, der als Direktor des Neuen Berliner Kunstvereins die Betreuung der Ausstellung von Christo und Jeanne-Claude übernommen hat, zeigte sich gestern erstaunt über die vermeintliche Verstörung des Künstlerpaares angesichts der Streichung ihrer Ausstellung.Er war zuletzt vor drei Wochen in New York gewesen und hatte mit ihnen Details für den zum Zeitpunkt seines Besuchs bereits bekannten neuen Ausstellungstermin besprochen.Für ihre Retrospektive, die Werke bis zum Zeitpunkt der Reichstagsverhüllung umfaßt, sind das gesamte Erdgeschoß sowie das Souterrain reserviert.Voraussichtlich wird dann auch schon die Berlinische Galerie wieder in ihre angestammten Räume im ersten Geschoß zurückgekehrt sein. Zeitweilig war für die Ausstellung von Christo und Jeanne-Claude auch die Akademie der Künste im Gespräch gewesen, doch hatten davon beide Parteien wieder Abstand genommen - vermutlich, weil Christo eine Aufnahme in die Akademie nur unter Hinzunahme seiner Partnerin akzeptieren wollte.Die Ablehnung von Jeanne-Claude hat in der Folge dazu geführt, daß auch die Berliner Bildhauerin Brigitte Matschinsky-Denninghoff, die mit ihrem Mann Martin zusammenarbeit, ihre Akademie-Mitgliedschaft aufkündigte.Angesichts dieser konservativen Haltung der Akademie sollte nachdenklich stimmen, daß es dem Bundespräsidenten ohne Zögern gelang, Christo und Jeanne-Claude gemeinschaftlich ein Bundesverdienstkreuz zu verleihen.

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