Dokumentation : 101 Gründe, Italien trotzdem zu lieben

Wir haben es bereist, wir haben seine Sprache gelernt, wir haben es ins Herz geschlossen: Seit Jahrhunderten schwärmen die Deutschen für dieses Land im Süden. Doch seit einiger Zeit wird es uns ein bisschen unheimlich. Sollte das an Silvio Berlusconi liegen?

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Grund Nummer 8: Cecilia BartoliFoto: pa/dpa

MUSIKER


Sie lassen unsere Ohren schmelzen und unsere Herzen weinen:
1. Adriano Celentano
2. Zero Assoluto
3. Giuseppe Verdi
4. Mina
5. Enrico Caruso
6. Gianna Nannini
7. Ennio Morricone
8. Cecilia Bartoli: Anfangs hat es ihre PR-Agentur sogar einmal mit „Cecilias liebsten Spaghetti-Rezepten“ versucht (siehe Nr. 27), zuhause in Rom fährt die Wahl-Zürcherin natürlich nur Fiat 500 (Nr. 20), und wie man den einzig richtigen Cappuccino zubereitet, das gibt sie in Interviews gerne auch ungefragt preis (Nr. 59). Kein Zweifel: La Bartoli ist die italienischste aller amtierenden Mezzosopranistinnen. Und eine der liebreizendsten, neugierigsten, lustigsten dazu. Die Frau kann lachen, dass sich allen Umstehenden die Haarspitzen kringeln. Und sie kann singen. Das heißt: Ihr Singen klingt eigentlich wie Lachen, das Lachen wie Singen. Es perlt und gluckert und gluckst und schraubt sich federleicht in lichteste Höhen und brustigste Tiefen. Gelernt hat sie das – typisch Italien! – bei ihrer Mutter, die sie heute noch betreut und auf Reisen begleitet. Das Tollste aber: Das einstige Koloraturenwunderkind Cecilia ist nie stehen geblieben. Hat für Scarlatti eine Lanze gebrochen und für Salieri, hat der Malibran einen Altar bereitet und dem Spiel auf historischen Instrumenten zu Sinnlichkeit verholfen. Caruso ist tot (Nr. 5), Pavarotti ist tot (Nr. 9), die Callas war Griechin, Anna Netrebko ist Russin (und soll als frischgebackene Mutter mit den Pfunden kämpfen): Die Bartoli bleibt und steigt für ein CD-Cover schon einmal als Anita-Ekberg-Verschnitt in den Trevi-Brunnen.
9. Luciano Pavarotti
10.Tiziano Ferro


ITALY-BUSINESS-TRANSPORT-FIAT 500
Grund 20: Fiat 500Foto: AFP

FAHRZEUGE


Damit an einem sonnigen Maitag durch die Kastanienallee brettern:
11. Ducati
12. Bugatti
13. Fiat Gran Torino
14. Vespa
15. Ferrari
16. Ape
17. Bicicletta Bianchi
18. Moto Guzzi
19. Alfa Romeo Spider
20. Fiat 500: Keine Frau, die ein gutes Herz hat, lässt sich ernsthaft von einem angeberischen Ferrari beeindrucken – von einem alten Fiat Cinquecento aber durchaus schon. (Zum Beispiel Alberich alias ChrisTine Urspruch aus dem Münsteraner Tatort.) Denn dieser Kleinwagen mit zweifach gelagertem, luftgekühlten Zweizylinderreihenheckmotor und bis zu 18 PS ist, naja, mit einigem Anstand das
süßeste Auto, das jemals in Serie ging. Und wenn ein Mann dann noch weiß, wie er das unsynchronisierte Vierganggetriebe bedient, nämlich indem er selbstbewusst Zwischengas gibt, sollte es selbst um die sprödeste Umweltaktivistin geschehen sein. Es gibt wohl keine bessere Position, um im gepunkteten Sommerkleid die Sterne über der Adria zu betrachten, als durch das geöffnete Faltdach des putzigen Gefährts – nicht umsonst trägt es landläufig den Beinamen „Knutschkugel“.
Seine Hochzeit hatte der Cinquecento, der einen stets freundlich anzulächeln scheint, zwischen 1957 und 1975. Über drei Millionen Cinquecentos baute Fiat in dieser goldenen Periode, in der die Deutschen zum großen Exodus über die Alpen aufbrachen. Italien, das war das Land, in dem die Cinquecentos glühen. Dass der Kleinwagen über so gut wie keine Extras verfügte, eine Federung der Sitze kaum existierte und je nach Modell unter lautem Brausen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 bis 100 Kilometern in der Stunde erreichte – egal. Noch heute erinnern sich ältere italienische Tankwarte mit feuchten Augen daran, dass es nur ein paar beherzter Faustschläge bedarf, um die Kühlerhaube ordnungsgemäß zu schließen. Wumms, und da ist er wieder komplett: der treuherzigste aller Auto-Blicke. Der Enkel des Fiat 500, der neue Retro-Cinquecento, ist zwar ganz nett, kann da nicht mithalten.


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Grund 21: NutellaFoto: pa/dpa

IMPORTE


Es gibt so vieles, ohne das wir nicht überleben könnten:
21. Nutella: Michele Ferrero, 82, ist der reichste Mann Italiens. Auch international steht er gut da: Auf der Forbes-Liste der Reichsten bekleidet er Position 40. Das hat Michele Ferrero seinem Vater Pietro zu verdanken, der 1947 in Alba sein Unternehmen gründete – und von wo aus der Nuss-Nougat-Aufstrich, Ergebnis von Pietros langwierigen Experimenten mit Haselnüssen und Kakaocreme, in den 50er Jahren <SB190,65,140>seinen Siegeszug antrat. Michele Ferrero gilt heute noch als Mastermind des Konzerns (Tic Tac, Rocher, Kinder Überraschung und -Schokolade, Pocket Coffee…), obwohl er die Leitung der Firma bereits 1997 an seine beiden Söhne übergeben hat. Um den Patriarchen ranken sich eine Vielzahl von Legenden, deren Entstehung wohl damit zu tun hat, dass aus dem 100-prozentigen Familienunternehmen fast nichts nach außen dringt. So heißt es, „Don Michele“ versammele seinen
kaltholischen Clan jedes Jahr Ende Mai im Wallfahrtsort Lourdes, um den Segen den Muttergottes zu erbitten. Auch ist von dicken Umschlägen mit Bargeld die Rede, die er seine Managern einmal im Jahr zusteckte. Offiziell ist dagegen, dass Ferrero 2006 die Klage des Weltfußballverbandes abschmettern konnte: Der Fifa gefiel nicht, dass in jedem Hanuta ein Fußballerbildchen steckte. Weil die Produktpalette Ferreros zwar erfolgreich, aber etwas altmodisch daherkommt, wurde jetzt in den Geheimlaboratorien eine Neuheit entwickelt: das Dessert „Gran Soleil“. Mit sizilianischen Zitronen.
22. Aceto Balsamico
23. Pizza
24. Prosecco
25. Rucola
26. Latte Macchiato
27. Spaghetti
28. Ciabatta
29. Pesto Genovese
30. Parmesan


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Grund 20: Cinzia RoccaFoto: Air Dolomiti

MODE


Von diesen Designern würden wir selbst Thrombosestrümpfe tragen:
31. Nino Cerruti
32. Gianni Versace
33. Salvatore Ferragamo
34. Cinzia Rocca: Überraschung! Wer in München in ein Flugzeug der Air Dolomiti einsteigt, fühlt sich wie ein Gast auf einer eleganten Party. Dank der Uniformen der Stewardessen, die so schick geschnitten sind, dass sie den Körper betonen und ihn nicht wie bei anderen Fluglinien nur verhüllen. „Uniformen sollten immer von guter Qualität sein, bequem und funktional“, sagt Cinzia Rocca, Modeschöpferin aus Brescia – und hat sie deshalb aus Angora-, Schur- und Baumwolle gefertigt. Von der Nylon-Tyrannei hat sie zum Glück nichts übernommen. Rocca stammt aus einer Mode-Dynastie. Ihr Vater gründete das Unternehmen Rodel, in der heute über 300 Näherinnen Kleidung produzieren. Zuerst arbeitete die Tochter als Einkäuferin, bevor sie ihre eigenen Kreationen vorstellte. Mit Erfolg: Sie verkauft in mehr als 40 Ländern, meist nur in exklusiven Kaufhäusern – in Berlin im KaDeWe. Cinzia Rocca gibt mit ihren Entwürfen dem Fliegen einen Hauch des einstigen Glamours zurück. Mal ehrlich, eigentlich möchte man sofort selbst Flugbegleiter werden und dieses fabelhafte Hellblau tragen.
35. Renzo Rosso (Diesel)
36. Raniero Mancinelli (Papst)
37. Miuccia Prada
38. D. Dolce & S. Gabbana
39. Ermenegildo Zegna
40. Giorgio Armani


Monica Bellucci stellt neuen Film in Rom vor
Grund 42: BrilleFoto: dpa

ERFINDUNGEN


Was Italien der Welt geschenkt hat. Grazie!
41. Zahnersatz
42. Brille: Der Legende nach soll in der Toskana Ende des 13. Jahrhunderts Salvino degli Armati konvex geschliffene Linsen für weitsichtige Gelehrte angefertigt haben. Doch erst sieben Jahrhunderte später wurde aus dem Schlaumeier-Requisit ein Statusobjekt – mit dem Aufkommen der Sonnenbrillen an Italiens Stränden. Gut, bereits Kaiser Nero hat durch grüne Smaragde den Gladiatoren zugesehen und so seine Augen geschont. Und ja, das amerikanische Militär war für die Verbreitung der dunklen Brillen entscheidend: Die Piloten der Air Force trugen sie im Zweiten Weltkrieg, um sich gegen Sonneneinstrahlung zu schützen. Danach wurde aus dem Kriegs- rasch ein Modeutensil. Besonders in Italien fassten die Schönen und Möchtegern-Schönen sie als Accessoire von graziler Coolness auf – wie elegant Marcello Mastroianni in „La Dolce Vita“ 1960 mit seiner Sonnenbrille aussah! Das muss für viele Italiener eine Initialzündung gewesen sein. Kein Tag – ob mit oder ohne Sonne –, an dem die Brille (occhiali da sole) nicht zum Einsatz käme. Vor allem männlichen Italienern gelingt dabei das Kunststück, die majestätische Würde eines Löwen mit dem Habitus eines Gockels zu verbinden. Es gibt so viele Arten, eine Sonnenbrille zu tragen, wie es Pastasorten gibt. Mal hängt sie an einem Bügel baumelnd, mal bedeckt sie die Stirn, sie steckt im Haar und schaut gen Himmel, gern wird sie auch zum Hinterkopf gerückt, als würden damit Verfolger beobachtet… Hammerhart: Der Virilität signalisierende Macho steckt sich die Sonnenbrille an einem Bügel in seine Brustwolle. Da verwundert nicht, dass die frühere Pilotenmarke Ray-Ban nun den Italienern gehört: dem weltweit größten Sonnenbrillen-Hersteller Luxottica in Mailand. Die Firma produziert für alle Großen der Branche, von Prada bis Versace.
43. Kondom
44. Klavier
45. Spaghetti-Western
46. Seilbahn
47. Universität
48. Hubschrauber
49. Italo-Disco
50. Thermometer


Cappuccino in brauner Tasse mit...
Grund 59: CappuccinoFoto: pa/dpa

MILCHKAFFEE


Liebe Italiener! Wir trinken ihn irre gern, aber schreiben ist schwierig:
51. Capuccino
52. Cappucino
53. Kapucino
54. Capuchino
55. Caputschino
56. Cappucchino
57. Capuscino
58. Capuhcino
59. Cappuccino: Es ist das komplizierteste Getränk der Welt. Nicht nur der Schreibweise wegen. Noch schwieriger ist die richtige Zubereitung. Sahne darauf? (Niemals!) Gar aus der Sprühdose? (Um Himmelswillen!) Oder doch bloß geschäumte Milch? Oder etwa mit Kakaopulver? (Bloß nicht!) Und dann das Mischungsverhältnis: Wie viel Kaffee und wie viel Milch? (Halbe-halbe!) Aber all das sind leichte Fragen gegenüber der entscheidenden: Wann eigentlich soll/darf man Cappuccino trinken? Hier nämlich entpuppt sich die wahre Kennerschaft des Landes. Ordert der ahnungslose Tourist seinen Cappuccino wann er will, morgens, mittags, abends, nachts, so weiß der fortgeschrittene Italien-Reisende, dass das schwierige Getränk ausschließlich in den Morgenstunden zu genießen ist. Nach 11 Uhr vormittags Cappuccino zu bestellen gilt als Todsünde, zu viel Milch, zu viel Flüssigkeit; da will der Italiener nichts anderes als seinen Espresso (auf Italienisch schlicht und einfach „caffè“). Das ist eine schöne Regel, ordnet sie den Tag doch auf die schönste Weise, verleiht ihm Struktur und Sinn. Den allerfortgeschrittensten Italien-Experten freilich erkennt man daran, dass er das Regelwerk kennt – aber darauf pfeift. Und seinen Cappuccino trinkt, wann immer er mag. Weil er schließlich das beste Getränk der Welt ist. P.S.: Zum Teufel mit dem schlabberigen Latte Macchiato!
60. Capuschino

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Grund 63: Carlo CignozziFoto: Frassina

NAMEN


So würden wir doch auch gerne heißen:
61. Eros Ramazzotti
62. Gina Lollobrigida
63. Carlo Cignozzi: Die beseelende Wirkung der Musik, so dachte Carlo Cignozzi, was für ein ungeborgener Schatz. Nervöse Kranke werden bei klassischen Klängen ruhiger, Kühe geben mehr Milch, wenn Beethoven durch den Stall weht. Sollte da nicht auch der Wein, sein Wein auf dem Gut „Paradiso di Frassina“, besser gedeihen, wenn...? Und seitdem tönt barocke Kirchenmusik über die Hügel der Toskana, spanische Gitarre, Konzerte für Flöte und Harfe, aus 18 Boxen beschallt es Trauben und Rebstöcke. Cignozzi, 65, ganz in weiß wie ein Guru, spricht mit sonorer Stimme von früherer Reife der Frucht, wie Händel und Gluck den Sauerwurm und die Spinnmilbe fernhalten, wie der Falsche Mehltau seine Weinberge verschont. Die Universitäten Pisa und Florenz forschen flankierend. Die jüngste Versuchsanordnung: 1,5 Hektar bepflanzt mit Sangiovese, aus dem der berühmte Brunello gemacht wird, 50 Boxen an langen Stangen, nur Mozart. Così fan tutte, die Jupitersymphonie, Klavierkonzerte, Messen, Zauberflöte, Don Giovanni, Sonaten – Mozarts Gesamtwerk als Endlosschleife, 66 Stunden, Tag und Nacht. Diesen Sommer wird der erste Mozart-Wein geerntet.
64. Dolcissima Salamandra
65. Antonello Cuccureddu
66. Giuseppe Bizzarri
67. Enrica Ferrazzi
68. Giovanni di Lorenzo
69. Addolorata Malinconico
70. Maddalena de Montezemolo


WIRECENTER
Grund 77: SpritzFoto: Kai-Uwe Heinrich

SPIRITUOSEN


Was wir uns mit allergrößtem Vergnügen zu Kopf steigen lassen:
71. Grappa
72. Campari
73. Fernet-Branca
74. Limoncello
75. Elisir dei Trulli
76. Averna
77. Spritz:
So richtig erfrischend ist er nur mit ganz vielen klirrenden Eiswürfeln und auf Prosecco-Soda-Basis. Dann nämlich moussiert der Spritz wie verrückt – rosa bis orangefarben im appetitlich beschlagenen Glas, so wie er sein soll. Kein Aperitiv wirkt belebender, man verzeiht ihm sogar den Anteil Aperol (manchmal auch die grüne Olive). Aperol ist ein roter Likör, der unter anderem aus Rhabarber, Chinarinde, Enzian und Bitterrinde besteht. Doch warum beinhaltet das inzwischen auch in nördlichen Gefilden verbreitete Getränk in Italien elf Prozent Alkohol, in Deutschland dagegen immerhin 15 Prozent? Ganz einfach: Das haben wir Jürgen Trittin zu verdanken. In Deutschland sind Spirituosen von der Pfandpflicht ausgenommen, und als Spirituose gelten Getränke mit mindestens 15 Prozent Alkoholanteil. Dafür ist der Aperol bei uns teurer als in Italien – die Steuern. Dass es keine bessere Entschuldigung gibt, an schönen Sommertagen bereits um 13 Uhr mit der Alkoholaufnahme zu beginnen, kann man in den Bars im Veneto tagtäglich beobachten. Das Mixgetränk hat übrigens seine eigene Fangemeinde auf Facebook: „Vogliamo lo Spritz Aperol a 1 euro!!“ Spritz für eine Euro – das sei ein Menschenrecht, fordern die unerschrockenen Aktivisten in der Kategorie „Gesundheit & Wellness“. Salute.
78. Martini
79. Cynar
80. Ramazzotti

Mailand Korruptionsprozess
Grund 85: Ilda BoccassiniFoto: pa/dpa

FRAUEN


Oh ihr klugen, anbetungswürdigen, bezaubernden, kämpferischen...
81. Monica Bellucci
82. Lilli Gruber
83. Claudia Cardinale
84. Mona Lisa
85. Ilda Boccassini: „Ilda la rossa“, die rote Ilda, sagen die Leute. Die einen nennen sie so wegen ihres feuerroten Haarschopfs. Die anderen aber, besonders wenn sie Freunde des Ministerpräsidenten sind, meinen damit ihre Gesinnung: Ilda Boccassini, die Kommunistin, sagen sie – und irren sich. Nie war sie in einer Partei, nie hat sie sich politisch betätigt. Sie ist nur eine, die sich mit der Macht anlegt. Und besonders mit der ganz da oben. Jahrelang hat die Mailänder Staatsanwältin gegen Silvio Berlusconi ermittelt. Hartnäckig und gegen alle Widerstände: Disziplinarverfahren, Versetzungsdrohungen, Entzug des Personenschutzes. Ilda Boccassini, die gebürtige Neapolitanerin, ließ sich nicht abschrecken, klagte den Regierungschef an, forderte acht Jahre Gefängnis wegen Korruption. Nur mit Verjährungstricks konnte der seinen Kopf aus der Schlinge ziehen und wütete gegen seine Widersacherin: „An sie wird sich die Nachwelt mit Horror erinnern“, die Justiz sei „hassenswerter als der Faschismus“. Aber Berlusconi war nicht ihr einziger Erzfeind. Der andere ist die Mafia. Nach den Morden an den Richtern Borsellino und Falcone, mit denen sie befreundet war, ließ sie sich nach Sizilien versetzen, ermittelte furchtlos und mit Akribie, jagte und fasste die Täter. Als sie ihre Aufgabe erledigt hatte, kehrte sie zurück nach Mailand und kämpft dort weiter gegen Korruption. Für viele ist sie deshalb eine Volksheldin. „Meine Waffe“, sagt sie, „sind die Akten.“
86. Sophia Loren
87. Veronica Lario
88. Franca Rame
89. Letizia Battaglia
90. Carla Bruni


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Grund 96: Paolo MaldiniFoto: AFP

FUSSBALLER


Die Besten, die je in einer kurzen blauen Hose steckten:
91. Dino Zoff
92. Franco Baresi
93. Fabio Cannavaro
94. Bruno Conti
95. Gigi Riva
96. Paolo Maldini: Diese Augen. Man sollte meinen, bei seinem Beruf würden die Leute über seine Beine reden, vielleicht über die prächtige Muskulatur der Schenkel, aber nein, er ist „der Beau mit dem unergründlichen Tunnelblick“ („FAS“), Farbe der Augen: meerblau. Enthusiasmierte Sportreporter ergötzen sich an der Schilderung seiner Wangenknochen, seines Teints, des wogenden Haars, dieser stattlichen Figur (1,86 m, 85 kg). Sonst dröge Wirtschaftsblätter schwärmen vom „Signore unter Rauhbeinen“ („FTD“). Zu reden wäre aber auch vom Fußballspieler Paolo Maldini, 41, der gerade seine Karriere beendet hat, nach 126 Spielen in der „Squadra azzurra“, dem Nationalteam, nach 602 Ligaspielen für den AC Mailand, nach mehr als 1000 Pflichtspielen für diesen (Berlusconis) Klub. Zu reden wäre von sieben gewonnenen italienischen Meisterschaften, von drei Titeln in der Champions League und zwei im Europapokal der Landesmeister, von vier Teilnahmen an Weltmeisterschaften. Und zu reden wäre von einem Abwehrspieler auf der linken Seite, stets mit der Rückennummer 3, der seiner Aufgabe, Stürmer zu bremsen, ungewohnte Eleganz verlieh. Maldini war schnell. Maldini stürmte gern nach vorne. Der Kapitän seines Vereins war kein tumbes Glied im „catenaccio“, dem eisernen Abwehrriegel. Lässig war er, weltweit einer der Großen seines Fachs. Zum Leidwesen der Klatschpresse ist ansonsten nicht viel zu sagen. Hobbys? Schuhe. Zitate? Langweilig. Extravaganzen, Affären? Nicht bekannt. Früh schlafen, gesund leben, nur so hat sein Körper 25 Jahre Profileben überstanden. Maldini wohnt nicht weit vom Trainingsgelände. Man sollte meinen, so einer bekäme einen rauschenden Abschied. Nichts da. Am Ende hetzten Ultras im Stadion gegen ihn, und keiner, auch Präsident Berlusconi nicht, schritt ein, dieses fußballerische Denkmal zu schützen. Mit zehn Jahren hatte Maldini das Trikot des AC erstmals angezogen – und nie das eines anderen Klubs getragen. Treu ist der Mann auch noch.
97. Francesco Totti
98. Roberto Baggio
99. Gennaro Gattuso
100. Paolo Rossi
101. Gianni Riviera

Zusammengetragen von Esther Kogelboom, Christine Lemke-Mattwey, Ulf Lippitz, Wolfgang Prosinger, Norbert Thomma.

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