DOKUMENTATION„Let’s make money“ : Kapitaler Schock

30.10.2008 00:00 UhrVon Christiane Peitz

John Perkins beschreibt seinen früheren Job als Economic Hitman. Mit mafiösen Methoden hat er Länder mit für die USA wichtigen Rohstoffen über Kredite in die Schuldenfalle getrieben, um deren Regierungen dann zu erpressen. Zu politischen Gefälligkeiten oder zu billigem Öl. Wenn die Hitmen versagen, sagt Perkins, werden die Schakale losgeschickt, gedungene Mörder, die Regierungschefs und andere Politiker töten. Wenn auch die Schakale versagen, schickt Amerika die Armee – Beispiel Irak.

Der Österreicher Erwin Wagenhofer („We feed the world“) hat für seinen Dokumentarfilm über die Finanzwelt etliche Männer interviewt, die mit teils bestürzender Offenheit über die Strukturen und Machenschaften des Kapitalismus Auskunft geben.

Ein Private-Equity-Industrieller bezeichnet den Begriff „Heuschrecke“ als leider zutreffend und erläutert, wie das Geld der kleinen Leute die Zockerwetten der Banken absichert. Ein NZZ-Wirtschaftsredakteur fordert von den Migranten Eintritt, wenn sie den Club namens Europa betreten. Europäische Fabrikbesitzer legitimieren mit bedauernden Worten die Ausbeutung von Arbeitern in Indien. Und ein afrikanischer Ökonom führt auch für Wirtschaftslaien verständlich aus, wie Burkina Faso zwar die beste Baumwolle der Welt produziert, aber von der Ersten Welt gezielt in bitterer Armut gehalten wird.

Hier die Gelddruckmaschine, dort die Steineklopfer. Hier die Hochglanzwerbung der Deutschen Bank, darunter der Slum. Hier der Manager im Wagenfonds, hinter Glas keimfrei abgeschottet von den realen Folgen seiner Geschäfte, dort die Obdachlosen unter Plastikplanen. Wagenhofer setzt auf eine Ästhetik des scharfen Kontrasts, verzichtet sonst jedoch auf propagandistische Publikumsgängelei à la Michael Moore. Der Film weist lediglich Zusammenhänge auf, die man gewöhnlich nicht wahrhaben möchte: zwischen dem eigenen Geld in der Pensionskasse und der spanischen Immobilienblase zum Beispiel. Jeder Sparkassenkunde, jeder Pfandbriefbesitzer ist verstrickt ins ganz legale, globale Unrechtssystem. Es bringt Absurditäten hervor, die jeden beschämen, nicht nur selbstgefällige Manager. So gehören zu den Zigtausenden für den Leerstand gebauten Wohnungen an Spaniens Sonnenküste auch 800 Golfplätze, deren Grünflächen täglich bewässert werden. Die Wassermenge entspricht dem Tagesbedarf von 16 Millionen Menschen. Der Film zur Krise. Unbedingt gucken.Christiane Peitz

„Let’s make money“, Österreich 2008, 90 Min.,

R: Erwin Wagenhofer

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