Zeitung Heute : DOPINGSKANDAL DER TOUR

LA CHATRE .Durch eine Gegenüberstellung des suspendierten Festina-Teamchefs Bruno Roussel und des Mannschaftsarztes Eric Ryckaert wollen die Untersuchungsbehörden die Aufklärung des Doping-Skandals um die französische Spitzenmannschaft der Tour de France vorantreiben.Gegenüber der Zeitung "Le Figaro" hat Premierminister Lionel Jospin gefordert, in die Affäre müsse "Licht gebracht werden".Seine Regierung setze sich für die "nötige Transparenz" ein.Der Präsident des Internationalen Radsport-Verbandes (UCI), der Niederländer Hein Verbruggen, rechtfertigte die vorläufige Suspendierung von Roussel so: "Es gab für uns Anzeichen, daß die Führung der Festina-Mannschaft in diese Affäre verwickelt ist".Roussel und Ryckaert sind am Freitag morgen in einem Polizeifahrzeug von Cholet in den Justizpalast von Lille gebracht worden.Dort sollen sie von Ermittlungsrichter Patrick Keil einvernommen und voraussichtlich Voet gegenübergestellt werden.Der Richter kann ein formelles Ermittlungsverfahren eröffnen.Er kann Roussel und Ryckaert gegen Auflagen freilassen oder aber auch einen Haftbefehl erlassen.Gegen Roussel und Ryckaert wird nach einem Bericht der Zeitung "Le Parisien" seit einem Jahr auch in Belgien ermittelt.Danach soll der Mediziner bei einem Apotheker in Gent EPO bestellt und Roussel soll es bezahlt haben.Festina-Masseur Voet war am vergangenen Mittwoch im belgisch-französischen Grenzgebiet auf dem Weg zum Tour-Start in Dublin festgesetzt worden.In dem Materialwagen von Festina waren zwischen 400 und 800 Ampullen mit muskelaufbauendem Anabolika sowie dem Hormon Erythroipietin (EPO) gefunden worden.Die Einnahme des nicht direkt durch Dopingkontrollen nachzuweisenden Hormons soll die Ausdauerleistung deutlich verstärken.

Verbruggen bestätigte die Ohnmacht der Kontrolleure mit der Aussage: "Wir wissen, daß viele Fahrer, die positiv sind, unsere Doping-Kontrollen passieren." Doch könne niemand daraus den Schluß ziehen, daß fast alle Fahrer gedopt seien.Eine solche Aussage sei "unverantwortlich".Es gebe Fahrer, die ihren Beruf korrekt ausübten, "die dürfen nicht mitangeklagt werden", sagte der oberste Radsport-Funktionär.

Unterdessen beklagten sich erneut Mitglieder des mitfavorisierten Festina-Teams über ihre Behandlung."Man behandelt uns wie Mörder.Wir sind alle Ehemänner und Väter und haben Familie", sagte der Schweizer Laurent Dufaux.

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