Zeitung Heute : Doppelt begabt

Der Tagesspiegel

Wenn Aldona Gustas spricht, schwingt Heimatklang mit, ihr Amulett aus der Kindheit, die heute vor 70 Jahren im litauischen Karceviskiu begonnen hatte. Berlin wurde für sie seit 1945 zweite Heimat, die sie mit ihrem Mann, Georg Holmsten, teilt. Er wurde Schriftsteller mit immergültigem Berlin-Bezug; Aldona Gustas gewann seit 1957 Bedeutung als Lyrikerin wie Malerin und Graphikerin. Ihr erstes Buch kam als „Nachtstraßen“ 1962 im Verlag Eremiten-Presse heraus. Alle ihre Bü cher wurden von verschiedenen Verlagen gleichermaßen mit schöner Sorgfalt hergestellt. Ihre Gedichte wurden in gut und gern 100 Anthologien veröffentlicht. Und sie wurden ins Litauische, Italienische, Spanische, Französische, Russische und Amerikanische übersetzt, ihre Bilder in Ausstellungen vieler deutscher Städte und auch im Ausland gezeigt.

Aldona Gustas künstlerische Doppelbegabung – von jener, Freunden eine gute Freundin zu sein abgesehen – brachte sie auf die Idee gleiche Doppelbegabungen als „Berliner Malerpoeten“ zu verbandeln. Das geschah in den frühen Siebzigern, und es geschah in (West-)Berlin, wo denn sonst. Und es sind herrliche Namen, die da beisammen stehen: unter ihnen Günter Grass, Wolfdietrich Schnurre, Curt Mühlenhaupt. Ein kostbares Gruppenbild mit einer Dame, Aldona Gustas. Ihr poetisches Wortwerk begleiten kräftige, auch erotische Zeichnungen. Immer wieder flackert Berlin auf, als Sonne die übern Kurfürstendamm lustwandelt, in Halensee ein Morgenbad nimmt, auf den Funkturm flog: „Bis zum Abend wärmte sie geduldig Berlin.“ -erk

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