Zeitung Heute : Dr.Goebbels sabbert

CHRISTIAN BÖHME

Die Geschichte klingt phantastisch, aber nicht abwegig.Eine spanische Filmtruppe reist 1938 nach Berlin.Da in der Heimat noch Bürgerkrieg herrscht, darf das Team in den UFA-Studios "La niña de tus ojos" drehen, eine andalusische Heimatschnulze.Allerdings tun sich die gastgebenden Nazis ein wenig schwer mit der südspanischen Kulisse.Die Bodega ähnelt mehr dem Kabinett des Dr.Caligari, die Strahlkraft der Sonne läßt ebenso zu wünschen übrig wie das arische Aussehen der Statisten.Und damit sich der Aufwand lohnt, soll gleich auch eine deutsche Fassung von "Das Mädchen meiner Träume" entstehen, inklusive teutonischer Zweitbesetzung.Das alles wäre kein Problem, hätte sich Propagandaminister Goebbels nicht in die spanische Hauptdarstellerin Macarena verguckt.Nichts läßt der Mann mit dem Klumpfuß unversucht, das Mädchen ins Bett zu bekommen.

Aus diesem Stoff hat der 44jährige Regisseur Fernando Trueba eine Komödie gemacht, die schon zwei Millionen Spanier in die Kinos lockte.Der Erfolg kommt nicht von ungefähr.Denn es darf gelacht werden.Besonders die ersten zwanzig Minuten sind rundum gelungen.Voller Ironie bis hin zum Klamauk läßt er die unterschiedlichen Mentalitäten von Spaniern und Deutschen aufeinanderprallen: Von Bockwurst mit Kartoffelsalat und Paella bis hin zum feurigen südländischen Liebhaber Julián (Jorge Sanz) und seinem blauäugigen, schwulen Pedant Heinrich (Götz Otto).Natürlich bekommen die Nazis und ihr Minster am meisten Fett ab.Goebbels (Johannes Silberschneider) wird zur sabbernden Witzfigur, für den selbst die Hunde die Pfoten zum Hitler-Gruß heben müssen.

Hätte Trueba seine gekonnte Mischung zwischen Lubitschs "Sein oder Nichtsein" und Mel Brooks Persiflage über die ganzen zwei Stunden durchgehalten, wäre "La niña de tus ojos" - nicht zuletzt dank der zumeist sehr guten Schauspieler, allen voran die bärenverdächtige Penélope Cruz als dunkelhaarige Schönheit Macarena - eine wunderbare Komödie geworden.Doch der Film kippt ins Melancholische, ja Melodramatische.Denn die spanische Hauptdarstellerin verliebt sich in einen russischen Juden aus dem KZ, der als Komparse herhalten muß.Damit kommt mit aller Wucht die Politik ins Spiel.Und am Ende steht Leos Rettung, der gemeinsam mit Macarena per Flugzeug fliehen kann.Der Regisseur Blas Fontiveros (Antonio Resines) opfert sich, um dem Mädchen seiner Träume und ihrem artistischen Liebhaber ein neues Leben zu ermöglichen.Casablanca läßt grüßen.Also kein richtiges Happy-End.Eine Komödie hätte aber eines verdient.

Heute 12 Uhr (Royal Palast), 18.30 Uhr (Urania), 22.30 Uhr (International)

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