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Dr. WEWETZER : Dritter Vorhang für Aspirin

25.11.2012 00:07 Uhrvon
Wewetzer Foto: Kai-Uwe HeinrichBild vergrößern
Hartmut Wewetzer. - Foto: Kai-Uwe Heinrich

Als sich das Chemieunternehmen Bayer AG 1899 den Namen „Aspirin“ für den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) sicherte... .

ahnten die Verantwortlichen nicht, was für eine sensationelle (und ertragreiche) Arzneimittelkarriere damit begann. Stand zunächst die Wirkung von „Aspirin“ als Schmerzmittel und Fiebersenker im Vordergrund, kam in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die „Blutverdünnung“ hinzu, also das Vorbeugen von Herzinfarkten mit niedrig dosierter ASS. Und nun zeichnet sich ab, dass die Substanz auch zur Krebsbehandlung taugt.

Schon länger gab es deutliche Hinweise, dass ASS bei Darmkrebs einen gewissen Schutzeffekt hat. Damit rückte in den letzten Jahren eine unterstützende „adjuvante“ Therapie mit dem Wirkstoff mehr in den Vordergrund.

Jetzt haben amerikanische Mediziner vermutlich die Ursache für den Antikrebseffekt gefunden. Bei jedem fünften Darmkrebspatienten findet sich in den Tumorzellen ein verändertes (mutiertes) PIK3CA-Gen. Diese genetische Veränderung führt dazu, dass die Zellen das eingebaute Selbstmordprogramm unterlaufen. Mit diesem Programm, Apoptose genannt, werden für den Organismus potenziell gefährliche Zellen „abgeschaltet“. Krebszellen mit mutiertem PIK3CA erlangen also eine zweifelhafte Unsterblichkeit, indem sie die Apoptose geschickt umgehen. Hier kommt ASS ins Spiel – es blockiert gewissermaßen das Ausweichmanöver. Die kranke Zelle wird so in den Selbstmord getrieben, vermuten die Forscher um Shuji Ogino vom Dana-Farber-Krebsinstitut in Boston.

Ogino und sein Team fahndeten in den Gewebeproben von knapp 1000 Patienten mit Darmkrebs nach verändertem PIK3CA. Dann schauten sich die Wissenschaftler an, welchen Einfluss die Einnahme von ASS/Aspirin auf das Überleben hatte. Das Ergebnis ihrer Studie, veröffentlicht im „New England Journal of Medicine“ war eindeutig. Fünf Jahre nach der Krebsdiagnose lebten noch 97 Prozent der Patienten mit mutiertem PIK3CA, falls sie ASS schluckten. Praktisch jeder Kranke hatte überlebt. Ohne ASS betrug das Überleben nur 74 Prozent. War das PIK3CA-Gen dagegen intakt, hatte die ASS-Einnahme keinen Einfluss auf die Überlebenschancen.

Natürlich kann man einwenden, dass nur jeder fünfte Darmkrebspatient für eine mögliche ASS-Behandlung infrage kommt. Eben jene, bei denen PIK3CA mutiert ist. Aber Darmkrebs ist häufig, in Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 65 000 Menschen. Würde von ihnen jeder fünfte langfristig kuriert – und das zu mindestens 25 Prozent mit Hilfe eines „gewöhnlichen“ Schmerzmittels – wären das mehr als 13 000 Menschen. Allerdings ist das noch ein wenig Zukunftsmusik, denn die amerikanischen Ärzte haben ihre Untersuchung anhand von archivierten Gewebeproben gemacht. Jetzt muss ASS bei Darmkrebspatienten mit mutiertem PIK3CA getestet werden, am besten in großen Studien. Ausgerechnet ein spottbilliger Uraltwirkstoff aus dem vorletzten Jahrhundert könnte den Weg in die Zukunft einer genetisch verfeinerten Medizin weisen.

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