Dr. WEWETZER : Laser auf lange Sicht

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Wie Kurzsichtige ihre Brille loswerden

Hartmut Wewetzer

Mein Kollege sagt: „Je dicker die Brillengläser, desto kreativer der Mensch.“ Er ist ziemlich kurzsichtig und selbst kein schlechtes Beispiel für seine Behauptung. Und doch: Ein schwacher Trost, wenn einem die Brille zur Last wird und Kontaktlinsen nicht in Frage kommen. Viele erwägen dann eine Laserkorrektur ihrer Augen, wie sie für Kurzsichtige zum Preis von rund 2000 Euro pro Auge zu haben ist.

In den vergangenen Jahren hat es eine geradezu lawinenartige Entwicklung in der „refraktiven Chirurgie“ gegeben, also in der chirurgischen Behandlung Fehlsichtiger. Die Technik wurde verfeinert, die Apparate wurden immer besser. Woran sich die Frage anschließt, ob eine erfolgreiche Behandlung auch von Dauer ist. Denn der kostspielige Eingriff sollte schließlich eine Weile vorhalten und vor allem verträglich für die Augen sein.

Gute Kunde kommt nun aus Südeuropa: Spanische und türkische Augenärzte um Jorge Alió vom Institut für Augenheilkunde in Alicante berichten im Fachblatt „American Journal of Ophthalmology“ über die Ergebnisse einer Folgeuntersuchung zehn Jahre nach der Behandlung Kurzsichtiger unter anderem mit dem Lasik-Verfahren. Diese Technik hat sich in den vergangenen zehn Jahren weitgehend durchgesetzt.

Es stellte sich heraus, dass Lasik auch auf lange Sicht gut verträglich war. Die Technik sei „sicher und effektiv“ für eine Kurzsichtigkeit bis minus zehn Dioptrien, lautet ein Resümee der Wissenschaftler. Sie registrierten eine leichte erneute Zunahme der Kurzsichtigkeit in den ersten Jahren um etwa eine halbe Dioptrie. Die ist jedoch in der Regel nicht von Bedeutung.

Weltweit wurden bisher knapp 20 Millionen Menschen mit Lasik behandelt. Dabei wird zunächst eine dünne äußere Hornhautschicht des Auges zurückgeklappt. Dann wird darunter mit dem Laserstrahl die erforderliche Korrektur der Brechkraft in die Hornhaut „eingeschliffen“ und schließlich die äußere Hornhautschicht wieder zurückgeklappt. Als wäre nichts gewesen.

„Die Technik ist heute weitgehend ausgreift“, sagt Peter Rieck, stellvertretender Leiter der Augenklinik an der Berliner Charité. Das war nicht immer so. In den 20 Jahren, in denen nun schon Augen gelasert werden, hat man mitunter des Guten zu viel getan, dem Augenlaser hier und da zu viel zugetraut. Und es gibt neue Entwicklungen, etwa Kunstlinsen für stark Kurzsichtige.

Jeder Zehnte braucht auch nach einer Lasik-Behandlung noch eine Brille, schätzt Rieck. Und natürlich kann die Behandlung wie jede Operation unerwünschte Folgen haben, etwa eine Hornhauttrübung, Haze genannt, die das Bild etwas neblig erscheinen lässt, aber meist im ersten Jahr verschwindet. Auch eine Infektion kann auftreten.

Wer sich lasern lassen will, sollte sich einen Arzt aussuchen, der ausführlich berät und nicht zum Eingriff drängt, der zudem häufig operiert und einen modernen Gerätepark besitzt.

Und ich selbst? Ja, ich trage noch eine Brille. Man will ja kreativ bleiben.

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