Zeitung Heute : DRAMA

Liverpool

Michael Meyns

Dass Film vor allem ein visuelles Medium ist, wird oft ignoriert. Da wird geredet und geplappert und zu viel erklärt. Lisandro Alonsos Filme sind ein Gegenentwurf. Die Filme des jungen Argentiniers erzählen von schweigsamen Männern, die schwer an ihrer Vergangenheit zu tragen haben. In langen, kargen, oft starren Einstellungen erzählt er, ganz der Kraft der Beobachtung vertrauend. „Liverpool“ ist emblematisch für sein Werk: Ein Matrose auf einem Containerschiff besucht bei einem Landgang im eisigen Feuerland seine Mutter, vielmehr jedoch seine Vergangenheit. Warum er diese hinter sich gelassen hat? Kleine Andeutungen hierzu, ein Zögern, Blicke, Gesten. Wie in all seinen Filmen arbeitet Alonso hier mit Laien, die eine Figur eher ausfüllen, als sie zu spielen. Großes, ambitioniertes Kino. Michael Meyns

„Liverpool“, ARG/F/NL/D/E 2008, 84 Min., R: Lisandro Alonso, D: Juan Fernandez, Giselle Irrazabal, Nieves Cabrera

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