Zeitung Heute : DRAMA

Play – Nur ein Spiel?

Julian Hanich

Fünf Jungs zwischen zwölf und 14 nähern sich drei Gleichaltrigen in einem Einkaufszentrum. Sie drängen ihre Opfer, sie zu begleiten – um sie dann quer durch die Stadt zu treiben und im Niemandsland von Göteborg auszurauben. Die Täter sind dunkelhäutige Migrantenkinder. Die Opfer kommen aus der weißen Mittelschicht. Auch wenn die Handlung auf wahren Begebenheiten beruhen mag: Wer einen potenziell vorurteilsbefeuernden Konflikt dieser Art in einen Film packen will, der muss besonders durchdacht vorgehen. Und das tut Regisseur Ruben Östlund in seinem Film „Play“. Die Handlung ist meist in langen Totalen festgehalten; die Kamera bewegt sich kaum; oft blickt sie aus der Ferne auf das Geschehen. Trotz dieser Distanzierungsstrategien hält der Film den Zuschauer bis zum Ende in seinem Bann. Östlund gelingt ein paradoxes Kunststück: Er erzeugt kontemplative Spannung. Bemerkenswert. Julian Hanich

S/DK/FIN 2011, 113 Min., R: Ruben Östlund, D: Anas Abdirahman

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