Zeitung Heute : DRAMATIK AUF DER ZWEITEN ETAPPE DER 85.TOUR DE FRANCE: Erik Zabel als zehnter Deutscher "in Gelb"

CORK (sid).Im Vorjahr fehlten vier Sekunden, diesmal hat es für Erik Zabel gereicht: Zum ersten Male in seinem Leben konnte sich der 28jährige Deutsche Meister am Montag das Gelbe Trikot des Spitzenreiters bei der Tour de France überstreifen."Für ihn ist heute so etwas wie ein Traum wahr geworden.Solange es unsere Kräfe ermöglichen, werden wir versuchen, das Trikot zu verteidigen", sagte Rudy Pevenage, zweiter sportlicher Leiter im Telekom-Team.Der Prologsieger Chris Boardman erlebte dagegen einen Alptraum.Auf der zweiten Etappe von Enniscorthy nach Cork über 205,5 km stürzte der Stundenweltrekordler aus England 54 km vor dem Ziel und schied aus.

"Dieses Trikot hat mir noch gefehlt." Die Freude von Zabel im Ziel war riesig."Optimal wäre natürlich dazu ein Etappensieg gewesen.Aber als ich antreten wollte, war vor mir alles zu", schilderte Zabel die letzten Meter.Toursieger Jan Ullrich, der zeitgleich mit dem Tagessieger Jan Svorada (Tschechien) im Hauptfeld ins Ziel rollte, freute sich für seinen Teamkollegen: "Das gibt Moral, wenn für uns die Tour in Frankreich in Gelb beginnt.Ich freue mich mit Erik."

Sekunden nach dem Sturz von Boardman erspurtete sich Zabel an der Spitze des Feldes sechs Sekunden Zeitgutschrift.Damit trug der geborene Berliner schon zu diesem Zeitpunkt das Gelbe Trikot.Er ist der zehnte Deutsche, der in der 95jährigen Tour-Geschichte ins Trikot des Gesamt-Spitzenreiters gefahren ist.

Für das Telekom-Team bedeutet Zabels Führung allerdings eine komplizierte Aufspaltung der Aufgaben an den kommenden Tagen.Das Gelbe Trikot muß verteidigt werden, zudem sollen Etappensiege für den Sprinter erkämpft werden.Vor allem darf die Hauptmarschrichtung nicht aus dem Auge verloren werden - Jan Ullrich (Merdingen) und Bjarne Riis (Dänemark) dürfen als Anwärter auf den Gesamtsieg keinen Boden im Kampf um das Gelbe Trikot verlieren.

Boardman, seit dem Tour-Auftakt in Dublin Spitzenreiter, stürzte 54 km vor Schluß der Etappe inmitten des Feldes und prallte gegen eine Steinmauer.Der Engländer, der schon einmal beim Prolog vor drei Jahren schwer stürzte, mußte ins Krankenhaus gebracht werden.Tour-Arzt Gérard Porte sagte: "Er hat eine blutende Wunde über dem linken Auge erlitten.Er kann sich an nichts erinnern, hat aber das Bewußtsein nicht verloren.Außerdem ist ein Handgelenk gebrochen und Schnittwunden erlitten." Zum Zeitpunkt des dramatischen Sturzes hatte das Fahrerfeld schon eine große Verspätung, denn ein kräftiger Gegenwind hatte den Zeitplan um eine Stunde verschoben.

Italiens Super-Sprinter Mario Cipollini hat ebenfalls seinen Traum vom erneuten Gelb ausgeträumt.Nach seinem Sturz vom Sonntag spekuliert er nur noch auf Tages-Erfolge.Im Vorjahr trug er zum Auftakt der Tour zwei Tage das "Maillot Jaune", gestern belegte er schon wieder Rang drei.

Anscheinend unbeeindruckt von den Doping-Vorgängen um einen Masseur in den eigenen Reihen gab sich die Festina-Mannschaft.Das Team um den letztjährigen Tour-Zweiten Richard Virenque kam wie geplant per Flugzeug un 19.55 Uhr auf dem Flughafen Brest-Guipavas an, bestieg umgehend einen Autobus und fuhr zum Mannschafts-Hotel.Den zahlreichen Journalisten, die auf eine Intervention der Polizeibehörden spekuliert hatten wurde, mit einem Sicherheitsabstand von 300 m das Betreten des Rollfeldes unmöglich gemacht.Man habe keinerlei Kenntnis von irgendeiner Polizeiaktion in der "Affäre Festina", sagte ein Sprecher der Brester Staatsanwaltschaft.

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