Zeitung Heute : Drei Experten blicken in die Zukunft Diskussion über den Stand der Finanzkrise

Manuel Vering
Auf dem Podium: Eric Schweitzer, Moritz Döbler, Asoka Wöhrmann und Marcel Fratzscher im Gespräch (v.l.). Foto: Rückeis
Auf dem Podium: Eric Schweitzer, Moritz Döbler, Asoka Wöhrmann und Marcel Fratzscher im Gespräch (v.l.). Foto: Rückeis

Berlin - Dem historischen Namen zum Trotz lagen bei der diesjährigen Agora Deutschland Tablet-Computer aus, mit denen sich die Gäste der Diskussionsrunde interaktiv am Geschehen beteiligen konnten. Und das taten sie. Das Thema war die Entwicklung der Wirtschaft vor dem Hintergrund der Niedrigzinspolitik. Die Wirtschaft war vertreten durch Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), die Investoren durch Asoka Wöhrmann, Chefanlagestratege der Deutschen Bank, und die Wissenschaft durch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Als der Moderator das Publikum nach seiner Meinung zur Euro-Krise befragt, geben 55 Prozent via Tablet-Computer an, dass deren Höhepunkt noch bevorstünde. „Mich hat das überrascht“, sagt Wöhrmann. Er sei bereits Mitte des vergangenen Jahres davon überzeugt gewesen, den Höhepunkt der Krise hinter sich zu haben. „Die EZB handelte wie ein gut funktionierender Risikomanager“, sagt Wöhrmann. Ökonom Fratzscher meint dagegen, die Euro-Zone sei noch nicht über den Berg: „Ich glaube, die größten Herausforderungen haben wir noch vor uns“, sagt er. Beim Wirtschaftswachstum seien die USA zum Beispiel bereits deutlich weiter. Die Geldpolitik müsse darauf abzielen, die hohe Arbeitslosigkeit in Krisenländern zu senken, und mehr mittelständische Unternehmen fördern. Auch DIHK-Präsident Schweitzer sieht das Problem beim Wachstum. „2013 war ein verlorenes Jahr“, sagt er und fordert dazu auf, mehr Möglichkeiten zu nutzen. Gerade bei der Digitalisierung und der Energiewende sehe er großes Potenzial – „das ist eine Riesenchance für Deutschland“. Für 2014 rechnet der Kammerpräsident mit einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent. „Dieses Jahr wird besser laufen“, sagt er.

DIW-Präsident Fratzscher ist nicht ganz so optimistisch. „Wir schwimmen derzeit in Deutschland auf einer Euphoriewelle“, sagt er. Doch das sei übertrieben. „Das Land wird in den kommenden fünf Jahren nicht besonders wachsen.“ Auch mit Blick auf die Krisenstaaten mag er keine Entwarnung geben. Im Gegenteil: „Griechenland wird einen Schuldenschnitt brauchen“, glaubt er. Anlagestratege Wöhrmann ist überzeugt, dass die Investoren in diesem Jahr endgültig zurückkehren. Nachdem die Euro-Zone fünf Jahre lang von der „Landkarte der Investoren“ verschwunden gewesen sei, erlebten wir jetzt eine „Renaissance der europäischen Anlagen“. Manuel Vering

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