Zeitung Heute : Dreidimensionale und nie gekannte Detailfreude

ANDREAS AUSTILAT

Zu den erfolgreichsten deutschen CD-ROM-Produktionen gehört die Siedler-Familie.Seit dem ersten Erscheinen der Wirtschaftssimulation im Comic-Stil 1993 sind rund 1,5 Millionen Exemplare verkauft worden.Gehörigen Anteil daran haben aber schon die "Siedler III": die jüngste Fortsetzung der Reihe ist erst seit rund vier Wochen im Handel und nach Angaben des Herstellers Blue Byte seitdem rund 500 000mal für rund 70 DM über den Ladentisch gegangen.

Im Prinzip geht bei den Neusiedlern zu wie gehabt: Der Spieler befehligt sein antikes Volk aus den kargen Anfängen bis zur Großmacht.Bauern beliefern Bäcker, die versorgen ihrerseits die Knappen in den Bergwerken, deren Rohstoffe befeuern Schmelzen und Schmieden usw.Bis der böse Nachbar das immer kompliziertere System bedroht, man sich also zum Konflikt rüsten muß.Und doch ist alles anders in dieser gründlich überarbeiteten Version, für die übrigens wieder der Ur-Siedler Erfinder Volker Wertich verantwortlich zeichnete.

Die Programmierer haben diesmal nicht nur einige Energie in insgesamt zwölf Minuten Zeichentrickfilm-Sequenzen gelegt.Die Siedler selbst gehen auch in dreidimensionaler, nie gekannter Detailfreude zu Werke.Und der Spieler hat alle Hände voll zu tun, den noch komplexeren Wirtschaftskreislauf zu beherrschen.Da werden Mannschaften und Waren en Detail per Schiff verschickt, Tempel errichtet und Priester beschäftigt.Geologen werden mit individuellen Aufträgen ins Gebirge geschickt, Pioniere mit der Urbarmachung neuen Landes beauftragt, Späher müssen Licht ins Dunkel auf dem Schirm bringen.

Wichtigste Neuerung gegenüber den Vorgängern ist der internettaugliche Mehrspielermodus, der es erlaubt in ganzen Teams weltweit (das Spiel wird international vertrieben) mit- oder gegeneinander zu siedeln.Augenfälligster Unterschied im Spiel selbst ist die deutlich militantere Note der neuen Siedler.Im Konfliktfalle müssen die kleinen Comic-Legionäre notfalls Mann für Mann oder auch in taktisch ausgeklügelter Schlachtordnung ins Gefecht geschickt werden.Und weil es erheblich mehr Steuermöglichkeiten gibt als früher, muß der Mensch an der Maus einiges an strategischem Geschick beweisen, will er seine mühsam aufgebaute und sensible Infrastruktur am Leben erhalten.

Wenn das nicht ganz leicht ist, dann liegt das nicht nur an der Komplexität des Systems.Der Bildschirm ist gut gefüllt mit ziemlich kleinen Menüdarstellungen, die leider nicht wie beim Vorgängermodell auf augenfreundliche Größe ausgerollt werden können.Der Bildschirm sollte also schon 17 Zoll Diagonale haben.Außerdem ist ein Drucker praktisch unverzichtbar, damit man sich das auf der CD enthaltene 46 Seiten starke Handbuch ausdrucken lassen kann.Ohne das wird man wenig Freude haben.Und dies trotz Einführungsspiel und Kampagne mit langsam steigendem Schwierigkeitsgrad.Doch trotz solch kleiner technischer Schwierigkeiten stellen diese Siedler den Vorgänger in den Schatten.Und das Ende der Erfolgsgeschichte scheint noch nicht erzählt, Blue Byte hat bereits Erweiterungen angekündigt.

Systemvoraussetzungen: Win 95/98, mindestens Multimedia-Pentium 100.

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