Zeitung Heute : "Dreimal in die rotzgrüne See gespuckt"

KURT SAGATZ

Die Geschichte gibt es in zahlreichen Versionen - auch für den PC: Man nehme ein Piratenschiff, verstecke dort entweder eine Karte oder verschiedene Gegenstände und garniere das ganze noch mit einem Suchspiel um einen Seeräuber-Schatz.Doch nicht alle Varianten bringen dem vorwiegend kindlichen Publikum auch den gleichen Spaß.Zu den gelungenen Adaptionen dieses Themas gehört allerdings der vierte Teil der Max-Reihe von Tivola mit dem Titel "Max und die Piraten", der für Kinder von vier bis zehn Jahren konzipiert wurde.

Zu den Besonderheiten dieses Titels gehört, wie bei den Vorgängern, vor allem der unvergleichliche Charme der Hauptfigur Max, einer der wenigen echten Computercharaktere.Der kleine Hund-Verschnitt mit seinem schwarz-weißen Kuh-T-Shirt - zu bewundern unter anderem in "Max und die Geheimformel" und "Max und das Gespensterschloß" - bewegt sich auf angenehme Weise tapsig durch die liebevoll gezeichneten Kulissen.3-D und schrille Bildfolgen sucht man hier vergebens, wert wurde vielmehr auf schön gestaltete Zeichungen gelegt.Die Figur Max hat sich im Computermedium inzwischen so gut etabliert, daß der Tivola-Verlag nun vorhat, ihn mit neuen Abenteuern zwischen die Deckel von Kinderbüchern zu packen.Bislang verlief dies immer in umgedrehter Richtung, so auch bei Tivola mit der TKKG-Reihe oder dem "Kleinen Prinzen".

Ebenfalls etwas besonderes an dem neuesten Max-Titel ist die Vielsprachigkeit des Spiels.Neben Deutsch, Englisch und Französisch wird bei Max erstmals auch Türkisch angeboten.Schön daran ist, daß sich die Kinder nicht am Anfang des Spiels für eine Sprache entscheiden müssen, sondern auch zwischendurch durch das Anklicken der entsprechenden Flagge die Dialoge in der jeweiligen Sprache anhören können.Hier macht sich der Sitz des Verlages in Berlin-Treptow nur wenige hundert Meter von Kreuzberg bemerkbar.

Doch nicht nur der Rahmen stimmt, sondern auch die Handlung.Auf der Suche nach den Einzelteilen der Piratenmaschine erfährt der Spieler ohne erhobenen pädagogischen Zeigefinger eine Menge über die Seefahrt im allgemeinen und Seeräuber im speziellen.Auf seiner Suche kann Max beispielsweise selbst einmal in das Kostüm eines Piraten schlüpfen oder verschiedene Augenklappen ausprobieren.Oder beim einbeinigen Schiffsarzt erfährt der Computerheld, was es mit der Seefahrerkrankheit Skorbut auf sich hat.

Erstmals wurde bei "Max und die Piraten" zudem ein kleines Spiel im Spiel eingebaut, wenn es am Ende darum geht, mit der Schatzkarte den genauen Standort des Verstecks ausfindig zu machen.

Alles in allem ist "Max und die Piraten" ein kurzweiliges Computerspiel für Kinder, das nicht so schnell seinen Reiz verliert.Bei jedem Neustart werden die benötigten Gegenstände der Piratenmaschine an anderer Stelle auf dem Schiff versteckt.Da Spielstände automatisch zwischengespeichert werden, entfällt zudem die Notwendigkeit, Max in einem Zug zuende spielen zu müssen.Überhaupt gehört es zu den positiven Eigenschaften des Spiels, daß schnelles Durchsuchen der verschiedenen Bilder durch die Programmierung verhindert wird.Das bremst selbst lebendige Kinder und bringt sie dazu, sich die einzelnen Räume in Ruhe anzuschauen.Es lohnt sich, denn anders als sonst üblich befinden sich in einem Bild gleich zwei Verstecke für die Teile der Piratenmaschine.

"Max und die Piraten", Tivola, 69 Mark.Systemvoraussetzungen: Multimedia-486er mit Windows 3.1/95/98 oder NT 4.0 oder vergleichbarer Macintosh ab System 7.1.

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