Zeitung Heute : „Drohungensind nicht hilfreich“ Was zum Ultimatum

der Ministerin gesagt wird

-

„Es gibt keine politischen Mehrheiten dafür, die Macht der Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen radikal zu beschneiden. Im Moment geht es doch nur darum, den schwarzen Peter zwischen der Politik und der Selbstverwaltung hin und herzuschieben. Das ist unfair. Die Selbstverwaltung hat einen Großteil der Änderungen zügig umgesetzt. So schnell wäre die Politik nie gewesen.“

Jürgen Wasem, Professor für Medizin-Management an der Universität Essen.

„Die Ministerin kehrt zu ihren beruflichen Wurzeln als Lehrerin zurück, indem sie offenbar meint, ausgewiesene Fachleute in der ärztlichen Selbstverwaltung wie Schüler maßregeln zu können. Es wäre fatal, wenn die Gremien der Selbstverwaltung jetzt dem Druck der Ministerin nachgeben würden und sich überhastet an die Umsetzung des Gesetzes begeben.“

Hans-Jürgen Thomas, Vorsitzender des Ärzteverbands Hartmannbund.

„Diesem Ultimatum sehen wir sehr gelassen entgegen. Was ist denn die Konsequenz, wenn die gemeinsame Selbstverwaltung aufgelöst wird? Dann muss alles das, was wir jetzt machen, das Ministerium machen. Das sollte man sich sehr genau überlegen. Dann haben wir nämlich Staatsmedizin wie zum Beispiel in Großbritannien. Für die Versicherten würde es bedeuten, dass es alles sehr viel länger dauert und sehr bürokratisch wird.“

Hans Jürgen Ahrens, Vorsitzender des Bundesverbandes der AOK (im Deutschlandfunk).

„Wer die Selbstverwaltung schlucken will, kann sich daran verschlucken.“

Manfred Richter-Reichhelm, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (im ZDF).

„Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat keine Pläne zur Abschaffung der Selbstverwaltung im Gesundheitssystem parat.“

Der Sprecher der Gesundheitsministerin Klaus Vater. (Er wollte Ulla Schmidts Äußerung nicht als Drohung verstanden wissen.)

„Statt eines munteren Schwarze-Peter-Spiels sollten alle Akteure im Gesundheitswesen weiter daran arbeiten, die von SPD, Grünen und der Union beschlossene Gesundheitsreform umzusetzen. Sie ist ein Schritt in die richtige Richtung und nun gilt es, das Beste aus ihr zu machen und besondere Härten abzumildern. Drohungen, zumal wenn deren Umsetzung zu mehr Staatsmedizin führen würde, halte ich nicht für hilfreich.“

Florian Lanz, Sprecher des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen. Tsp

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben