Zeitung Heute : Du sollst dir ein Bildnis machen

F.H.

Am 6.September starten die 47.Berliner Festwochen: Im achten Jahr nach der Wende kreisen alle Ausstellungen, Lesungen, Theateraufführungen und Konzerte um das Thema "Deutschlandbilder"F.H."Deutschlandbilder" findet man im wiedervereinigten Berlin an jeder Ecke."Deutschlandbilder" werden im September auch in jeder größeren Kulturinstitution Berlins zu sehen sein: Die 47.Berliner Festwochen, deren Programm Intendant Ulrich Eckhardt gestern vorstellte, warten mit einem Journal auf, das mit 140 Seiten fast Katalogdicke erreicht.Musik, Kunst, Theater, Literatur, Film, Geschichte und Medien wetteifern miteinander, um das ohnehin ständig präsente "Ost-West-Thema" geballt und umfassend darzustellen. "Deutschlandbilder" ist auch das Thema der großen Kunstausstellung im Martin-Gropius-Bau, die ab 7.September zu sehen ist.Mit den Eckdaten 1933, 1960 und 1997 wird die gemeinsame Vorgeschichte vor 1945 und der Generationskonflikt der "vaterlosen Gesellschaft" reflektiert und der unterschiedliche Weg der Kunst Ost und West gegenübergestellt.Die Ausstellung "Ostwind" im Kunstforum der GrundkreditBank setzt in der West-Orientierung üblicher Ausstellungskonzepte einen deutlichen Gegenpol und präsentiert fünf ostdeutsche Maler: Altenbourg, Heisig, Mattheuer, Metzkes und Tübke.Photographische Realitätssicht zeigt die Berlinische Galerie ebenfalls im Gropius-Bau mit "Positionen künstlerischer Fotografie in Deutschland seit 1945".Nährboden mancher in den Ausstellungen dokumentierter Kunstströmungen waren die Zentren intellektueller Sub-Kultur, die unter dem Titel "Bohème und Diktatur in der DDR.Gruppen, Quartiere, Konflikte" im Deutschen Historischen Museum dokumentiert werden.Plakate und Postkarten zwischen Ost und West zeigt die Doppelschau "Parallel.Klaus Staeck - Manfred Butzmann".Einen Kranz begleitender Veranstaltungen flechten 19 Berliner Galerien, die mit themenbezogenen Ausstellungen Kleinteiligkeit ins Gesamtbild bringen.Die verwandten Medien Video, Film und Fernsehen ziehen fleißig mit: Neben Künstlerarbeiten in Video und Film präsentieren die Freunde der deutschen Kinemathek und das Filmmuseum Potsdam im Kinosaal des Gropius-Baus eine Filmreihe, die in 12 Wochenenden über 70 Filme von 1945 bis heute in Schwerpunktfeldern zusammenfaßt.cht Mit 26 Produktionen, davon sechs Gastspielen, ist das Sprechtheater bei den Festwochen vertreten.Das Staatstheater Schwerin zeigt Einar Schleefs "Totentrompeten" am 13.und 14.September im Renaissance-Theater.Das kanadische Théâtre Ubu ist mit Denis Marleaus Produktion "Die drei letzten Tage des Fernando Pessoa" im Theater am Halleschen Ufer zu Gast.Der Regisseur folgt darin den biographischen Spuren des portugiesischen Schriftstellers Pessoa, der seine Werke mit unzähligen Pseudonymen versah, weshalb man erst nach dessen Tod die Neigung des Künstlers wahrnahm.Die Reihe "Dialoge, Reibungen", konzipiert von Christoph Funke, befaßt sich mit deutscher Dramatik von 1947 bis 1997, wobei vornehmlich den politischen Umständen in den Texten von Borchert, Zuckmayer, Walser und anderen mehr nachgespürt werden soll. Vier literarische Reihen, die über die Festwochen hinausreichen, ergänzen das Bühnenprogramm: "Deutsche Diskurse", der Harmoniesuche zwischen Themen und Ideen sowohl ost- als auch westdeutscher Autoren verbunden, beginnen am 1.September mit Günter de Bruyns Reflexionen über Heinrich Böll.Ferner spricht Stefan Heym über Johannes Mario Simmel (29.September), Hartmut Lange befaßt sich mit Bertolt Brecht (10.November) und Monika Maron mit Uwe Johnson (24.November).Volker Braun beschließt den Reigen mit einem Vortrag über Peter Weiss am 8.Dezember.Sämtliche Lesungen zu diesem Thema finden in der Schaubühne statt. Altbundespräsident Richard von Weizsäcker wird die Reihe "Berliner Lektionen", die den Auftritt von noch fünf anderen Rednern einschließt, am 28.September im Renaissance-Theater eröffnen.Getreu der Losung der diesjährigen Festwochen sollen "Innen- und Außenansichten" über Deutschland vermittelt werden."Gespräche im Gartenhaus" schließlich führen Politiker, Wissenschaftler gemeinsam mit Künstlern und Publizisten an vier Abenden im November und Dezember, um die Fremdheit zu erörtern, die der Zusammenführung von Ost und West standhielt.aba Beim Eröffnungskonzert am 6.September, das dem Gedenken an Swjatoslaw Richter gewidmet ist, spielt das Berliner Philharmonische Orchester unter Claudio Abbado Schuberts siebente und achte Sinfonie sowie "Gesungene Zeit" von Wolfgang Rihm.Rihm ist auch ein Kammermusikzyklus gewidmet, in dessen Rahmen am 20.September die Uraufführung seines zehnten Streichquartetts stattfinden wird.Insgesamt erklingen bei den Festwochen zehn Werke zum ersten Mal: Henzes 9.Sinfonie - von Eckhardt bereits als "summum opus" angekündigt -, die Ingo Metzmacher am 11.9.dirigiert, und sein Violinkonzert, das Michael Erxleben am 12.9.vorstellt, werden dabei mit besonderer Spannung erwartet.Ganz neue Stücke wird es auch von Steffen Schleiermacher (8.9.), Ruth Zechlin (11.9.), Paul-Heiz Dittrich (18.9.), Dieter Schnebel (19.9.), Friedrich Goldmann (22.9.) und Helmut Oehring (24.9.) zu hören geben.Mit vier Konzerten wird des Komponisten Isang Yun gedacht, der am 17.September 80 Jahre alt geworden wäre. Weitere Akzente setzt ein Schubert-Zyklus: András Schiff spielt an sechs Abenden alle Klaviersonaten, das Chamber Orchestra of Europe beschäftigt sich zum Ende seiner artists in residence-Zeit unter der Leitung von Claudio Abbado mit den Sinfonien. Im Bereich Musiktheater bietet das Festwochenprogramm vier Projekte: An der Deutschen Oper inszeniert Götz Friedrich Henzes "Prinz von Homburg" (Dirigent: Christian Thielemann, 21.September), das Berliner Ensemble spielt "Die Maßnahme" von Brecht / Hanns Eisler (13.9.) und die neugegründete "Zeitgenössische Oper Berlin" stellt sich mit Henzes "Der Idiot" (6.9.) und Mauricio Kagels "Der mündliche Verrat" (7.9.) im Hebbel-Theater vor.Anläßlich der 50.Spielzeit der Komischen Oper wird ab 2.September eine Ausstellung zum Werk Harry Kupfers im Marstall gezeigt, am 3.Oktober diskutiert Kupfer mit Götz Friedrich über das Erbe Walter Felsensteins. Karten im Büro der Festspiele, Budapester Straße 48, Tel.: 254 89 254, und an allen Vorverkaufskassen.

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