Zeitung Heute : Durchbruch in Hannover entspannt Lohnfortzahlungs-Streit

Pilotcharakter der Metall-Vereinbarung über volles Gehalt für Kranke umstritten Hamburg/Hannover (Tsp).Knapp drei Monate nach dem umstrittenen Bonner Kürzungsbeschluß entspannt sich die Lage im Kampf der Tarifparteien um die Lohnfortzahlung für Kranke.In der Metallindustrie Niedersachsens gelang am Donnerstag überraschend der Durchbruch: Die volle Fortzahlung bleibt bis 2001 erhalten, im Gegenzug sinkt das Weihnachtsgeld von 60 auf 55 Prozent des Monatssalärs.Der Pilotcharakter der Vereinbarung blieb zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften allerdings umstritten.Gleichzeitig flauten die Streiks in der Süßwarenindustrie nach Abschluß weiterer Haustarifverträge ab. Der Abschluß von Hannover sieht für die 90.000 niedersächsischen Metaller vor, daß Mehrarbeit bei der Berechnung künftig nicht mehr berücksichtigt wird.Es wurde eine Steigerung der Löhne und Gehälter zum April 1997 um 1,5 Prozent, ein Jahr später um weitere 2,5 Prozent vereinbart.Am Nachmittag stimmten die Kommission der IG-Metall und die Mitgliederversammlung der Arbeitgeber, bei der es kontroverse Diskussionen gab, dem Abschluß zu. In den vergangenen Monaten waren Verhandlungen über einen bundesweiten Metallabschluß sowie für den Südwesten und Nordrhein-Westfalen gescheitert.Nach der Hannoverschen Vereinbarung ist nach Angaben des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall eine bundesweite Einigung noch nicht abzusehen.Der Verband der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg ist skeptisch über die Pilotwirkung des Abschlusses.Ihr Sprecher Fugger betonte, dies sei ein regionaler Tarifvertrag.Dagegen sprach IG-Metall-Vize Riester vom Pilotcharakter nicht nur bei der Lohnfortzahlung, sondern auch in der Entgeltfrage.Ähnlich äußerten sich die IG-Metall-Bezirke Küste und Baden-Württemberg.DGB-Chef Schulte sieht im Abschluß eine Absage an die Bonner Kürzungsbeschlüsse.Dagegen zeigte sich Bayern skeptisch. In der Süßwarenindustrie mit bundesweit 54.000 Beschäftigten wurden nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten (NGG) nur noch vier Betriebe bestreikt.Dort wurde gleichzeitig verhandelt.Haustarifverträge wurden bei Ritter und bei Van Netten abgeschlossen.Der Geschäftsführer im Bundesverband der Süßwarenindustrie, Dörflinger, sagte, mit ihren Streiks habe die NGG "den Flächentarifvertrag in diesem Punkt bereits kaputtgestreikt".Mit dem Verband sei kein Tarifvertrag über die Lohnfortzahlung mehr möglich.

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