Zeitung Heute : E-Business für Einsteiger

HOLGER SCHLÖSSER

Wer sein Geschäft auf die virtuelle Verkaufswelt des World Wide Web ausdehnen will, muß in der Regel tief in die Tasche greifen.Programme zum Betreiben eines Online-Shops erreichen schnell Dimensionen, die kleine und mittlere Unternehmen nicht aufbringen können.Ihnen wollen preiswerte Shophosting-Angebote einen neuen Weg zum E-Commerce ebnen.Statt eine eigene Software zu kaufen und an das Unternehmen anzupassen, mietet man sich in ein bestehendes System ein.Man muß zwar auf eigene Layoutwünsche verzichten, und auch die Anbindung an ein eigenes Warenwirtschaftssystem ist oft nicht gegeben, dafür spart man aber Zeit und Geld.Unter Umständen profitiert man sogar von dem Bekanntheitsgrad des elektronischen Einkaufszentrums.

Für den kleinen Geldbeutel hält der Berliner Anbieter DEU-Net den Microshop ( www.microshop.de ) parat.Für Unentschlossene gibt es die Testversion kostenlos.Diese ist begrenzt auf drei Artikel, und auch auf das Sicherheitsprotokoll SSL (Secure Socket Layer), das für eine verschlüsselte Übertragung etwa bei Kreditkartennummern sorgt, muß man verzichten.Diese finden sich erst in der Vollversion, die für 14 Mark 50 im Monat zu mieten ist.Eine Installation von Software ist bei dieser Shoplösung nicht notwendig, und das gehört zur Grundidee des Firmengründers Reiner Freese: "Wir haben mit dem Microshop bewußt eine preiswerte Einsteiger-Version geschaffen, die es in der Form auf dem Markt noch nicht gab."



Um die Regale im Microshop zu bestüêken, braucht es keine technischen Vorkenntnisse.Die Produkte werden online in eine Liste eingetragen.Daß dabei das Layout nicht verändert werden kann, sieht Freese nicht als Nachteil.Wer seinen Shop individuell gestalten möchte, dem empfiehlt er, von der eigenen Homepage mit einem geteilten Bildschirmfensters - auch Frame genannt - auf den Shop zu verlinken.Für größere Datenmengen ist der Shop allerdings noch ungeeignet, da eine Anbindung an die eigene Datenbank voraussichtlich erst im nächsten Jahr unterstützt wird.Bei einer Bestellung wird der Anbieter per E-Mail benachrichtigt.Kreditkartennummer oder Kontoinformationen für ein Lastschriftverfahren können dagegen nur über eine sichere Online-Verbindung abgerufen werden.Die Unterstützung von Cybercash ist laut Reiner Freese in Vorbereitung.



Der Netzmarkt aus Erlangen ( www.netzmarkt.de ) ist ein elektronisches Kaufhaus mit 25 Unternehmen.Ganz wie im echten Leben, wurden die Läden nach Themen sortiert und in verschiedene "Etagen" aufgeteilt.Für 350 Mark im Monat kann man sich hier einmieten.Mit dem Grundmodul, dem SB-Shop, lassen sich allerdings noch keine großen Sprünge unternehmen: Nur vier HTML-Seiten mit insgesamt 15 Produkten sind erlaubt.Zusätzliche Seiten und Produkte kosten entsprechend mehr."Darüber hinaus gibt es keine Standardpreise, das hängt immer vom Aufwand ab", sagt Netzmarkt-Sprecher Frank Hortz.Positiv zu bewerten ist die Vielfalt der möglichen Abrechnungsverfahren im SB-Shop: Nachnahme, Bankeinzug oder Kreditkarten über das sichere SSL-Protokoll."Was Cybercash angeht, wollen wir abwarten, welches System sich durchsetzt", so Frank Hortz.



Das Layout der Seiten und der Formulare wird online gestaltet.Auch die Produkte in den virtuellen Regalen werden online per Hand aktualisiert.Bei größeren Datenmengen ist diese Prozedur freilich nicht zu empfehlen.Die Anbindung der eigenen Datenbank sei aber gegen Entgelt möglich.



Die "Wer liefert was?" GmbH ( www.wlwonline.de ) aus Hamburg ist bekannt geworden durch ihre Nachschlagewerke für Produkte und Dienstleistungen.Seit kurzem hat das Unternehmen seine Angebotspalette um ein Shophosting erweitert.Dabei wird die Software von "Intershop" verwendet, dem Marktführer in diesem Bereich.

Neben einer normalen statischen Homepage können Unternehmen unter der Adresse von wlw-online auch Waren-Kataloge ablegen, aus denen Kunden online bestellen.Preiswert ist der Service freilich nicht.Für die Einstiegsversion muß man 9800 Mark im Jahr bezahlen.Dafür sind Erstellung der Internet-Seiten aus einem vorhandenen Katalog der Firma oder entsprechenden digitalen Vorlagen und das Hosting inbegriffen.Einzelne Layoutwünsche wie das Einbinden von Bildern und die Gestaltung von Tabellen werden berücksichtigt.Die Bestellung wird allerdings per E-Mail oder Fax an das Unternehmen weitergeleitet.Echtes Online-Shopping wird noch nicht unterstützt."Wir raten unseren Kunden dazu, die Bestellung erst einmal per Rückruf zu bestätigen.Im Netz wird einfach noch zu oft unter falschem Namen bestellt", so der Sprecher, Markus Mattscheck.Die Tatsache, daß die Datenbestände nur vierteljährlich aktualisiert werden können, schlägt jedoch negativ zu Buche.Dies ist erst ab dem Premium-Dienst möglich, der 15 800 Mark im Jahr kostet.

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