Zeitung Heute : Echte Kugeln aus den Pistolen?

LARS VON TÖRNE

Was die Kinder-Jury bewegt / Jeden Tag nach der Schule für den Gläsernen Bären sofort ins KinoVON LARS VON TÖRNEDie Schulaufgaben fallen aus, und auch die Vorbereitung auf Klassenarbeiten muß bis kommende Woche warten.Wer in der elfköpfigen Jury des 21.Kinderfilmfestes sitzt, hat ein volles Programm."Nach der Schule gehe ich sofort ins Kino, und wenn ich abends nach Hause komme, bin ich total müde", erklärt die 14jährige Wanda Proft."Aber unsere Lehrer drücken ein Auge zu, denn sie finden es total klasse, was wir hier machen." Wanda und ihre zehn Kolleginnen und Kollegen im Alter von elf bis 14 Jahren sind aus über 900 Bewerbungen ausgewählt worden, um die Beiträge zum diesjährigen Kinderfilmfest fachkundig zu beurteilen.Neun Spielfilme und elf Kurzfilme konkurrieren um den Gläsernen Bären. Für manche der jugendlichen Filmfans ging mit der Ernennung zum Jury-Mitglied ein Kindertraum in Erfüllung."Ich wollte in die Kinderjury, seit ich sechs Jahre alt war", erzählt die 13jährige Laura Symma."Meine Mutter ist ein Filmfan und hat mich oft mit zur Berlinale genommen." Täglich schauen sich die elf Jungen und Mädchen gemeinsam mit ihren drei erwachsenen Betreuern mindestens zwei Beiträge an, einen Kurzfilm und einen Spielfilm in Originalversion, live deutsch eingesprochen.Am Wochenende sind es gar vier Filme pro Tag."Nach einer Weile kann man nicht mehr sitzen, weil einem der Rücken und der Hintern weh tun", stöhnt der 14jährige Viktor Veress.Daß die Arbeit in der Kinderjury trotz des vollen Terminkalenders viel Spaß macht, darin sind sich alle einig."Hier sehen wir so viele besondere Filme, die es sonst nicht im Kino gibt", schwärmt Laura. Nach jedem Film trifft sich die Jury mit dem Regisseur im "Kindertreffpunkt" und befragt ihn zu seinem Werk, bevor sie ihr Urteil fällt.So kann es vorkommen, daß US-Regisseur Bob Swaim nach der Premiere von "Dannys Mutprobe" (The Climb) gefragt wird, ob aus den Filmpistolen echte Kugeln kamen oder wieso eine der Hauptfiguren immer Whisky trank.Danach wird hinter verschlossenen Türen diskutiert."Manchmal streiten wir uns richtig, weil wir sehr unterschiedliche Meinungen haben", sagt Wanda.Zu jedem Beitrag sind qualifizierte Urteile gefragt."Man kann nicht nur sagen, welchen Film man schön und welchen man doof findet", stellt sie klar."Man muß auch begründen können, was daran gut und schlecht war." Darüber, was einen Film zum potentiellen Gewinner des Gläsernen Bären macht, gehen die Meinungen auseinander."Die Geschichte sollte mir gefallen, und die Kameraführung muß gut sein", sagt Wanda.Laura mag vor allem die Beiträge, die "nicht so kitschige Hollywood-Filme" sind: "Ich finde es gut, wenn der Film eine ganz realistische Geschichte erzählt."

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